Berichte / Naturschutz

Aktionsbündnis:
Schützt Menschen und Tiere im Detmolder Westen

Alle Vögel sind schon da
- das war einmal

02.11.2017 - Annette Heuwinkel-Otter

120 Teilnehmern zum Schutz der Natur auf der B239 am 17.09.2017



Das bekannte Volkslied "Alle Vögel sind schon da" muss wohl bald in seinem Text geändert werden. Pestizide, Flächenfraß, pflegeleichte Grünanlagen und Gärten mit immer weniger Blühpflanzen bewirken ein massives Insektensterben. Vögel sind davon besonders hart betroffen, ihnen wird die Nahrungsgrundlage entzogen.

Naturschutzverbände kämpfen gegen den Artenschwund und machen durch viele Aktionen auf die Misere aufmerksam. 2018 soll der Star zum Vogel des Jahres werden. Damit wollen der Naturschutzverband NABU und der Bayerische Landesverband für Vogelschutz auf den rasanten Rückgang des Bestandes aufmerksam machen. Auf der Roten Liste wird der Star inzwischen als gefährdet geführt. Als Ursache nennt NABU "menschlichen Einfluss".

Artenvielfalt schützen oder weitermachen wie bisher?
"Naturschutzgebiet Oetternbach" der Ortsteile Nienhagen, Niewald und Jerxen-Orbke (Foto: A. Heuwinkel-Otter)

Ständig hört und liest man ähnliche Berichte in den Pressemedien. Kürzlich stand in der Lippischen Landes-Zeitung: "Artenvielfalt soll geschützt werden: 45% der heimischen Tiere, Pilze und Pflanzen sind vom Aussterben bedroht", (LZ 9. Juni 2017, Seite 10). Trotz dieser fast täglichen Meldungen ändert sich nichts. Die meisten wollen weitermachen wie bisher. Das gilt auch für viele Städte und Kommunen, die nach wie vor ein Gewerbegebiet nach dem anderen auf die grünen Wiesen bauen. Dieses "Konzept" findet sich auch in der Stadt Detmold. Hier sollen drei neue Gewerbegebiete auf bestem Ackerland entstehen, direkt an ein Naturschutzgebiet angrenzend. Viele Insekten- und Vogelarten, die auf der Roten Liste stehen leben hier, noch. Trotz konventioneller Landwirtschaft finden sich Fledermäuse, 76 Schmetterlingsarten, Erdkröten, Molche und vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie: Kiebitze, Steinkauz (einzige existierende Brut in Lippe), Feldlechen, Wachteln, Goldammern, Rot- und Schwarzmilan sowie der Star (Vogel des Jahres 2018, s.o.).

Aufgewacht und Gegenwehr, diese Menschen werden mehr! ?

Seit Jahren wehren sich die Bürgerinnen und Bürger gegen die geplanten Gewerbegebiete. Sie wollen das Ackerland und das Naturschutzgebiet erhalten, was dringend aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels notwendig ist. Fruchtbarer Ackerboden ist für die Ernährung der Bevölkerung unabdingbar und das Naturschutzgebiet gilt als wichtige Klimaausgleichszone für die Stadt Detmold. Eine Versiegelung wäre irreversible und in unserer heutigen Zeit nicht zukunftsträchtig oder klarer ausgedrückt, mit Verlaub, als "dumm" zu bezeichnen.

Geschenk der nachfolgenden Generationen als Mahnung zur Vernunft für Bürgermeister Rainer Heller. (Foto: A. Heuwinkel-Otter)

Das "Aktionsbündnis: Schützt Menschen und Tiere im Detmolder Westen" macht die Bemühungen zum Schutz des Naturschutzgebietes Oetternbach öffentlich:
-> www.oetternbach.de )
Neben Bürgeranfragen sowie -anträgen an den Detmolder Stadtrat, einer Internet-Petition
-> change.org: Schützt das Naturschutzgebiet Oetternbach und mehreren Protestaktionen wurden inzwischen drei Klagen gegen die Stadt Detmold eingereicht. Jüngst folgten einer Protestkundgebung am 17.09.2017 auf der gesperrten B239 ca. 120 Personen. Kinder aus der Region, die ein Recht auf eine gesunde Zukunft haben, überreichten dem Detmolder Bürgermeister Rainer Heller ein selbstgemaltes Bild und Ackerboden der Flächen, die versiegelt werden sollen. Die Bürger wollen, dass die Politiker umdenken und endlich wirklich etwas für den Umwelt- und Klimaschutz tun und nicht nur darüber reden und so tun als ob. Die Menschen lassen sich nicht einlullen und für dumm verkaufen. Das mag kurzzeitig funktionieren aber nicht auf Dauer.

Mahnung an die Politik, wir machen das nicht mit! ?

Trotz des eindeutigem Vetos werben die Politiker nach wie vor für Verständnis in der Bevölkerung für ihre Entscheidungen, die vorwiegend einer immer zu wachsenden Wirtschaft geschuldet sind. Wie sollen die Bürger politische Entscheidungen verstehen, die die notwendigen Lebensbedingungen für die zukünftigen Generationen untergraben? Verständnis können die politisch Verantwortlichen hier nicht erwarten. Die Bundestagswahl und auch das Wahlergebnis in Lippe haben deutliche Signale gesetzt. Der Stimmzugewinn der AfD in Detmold ist erschreckend. Erklärungsversuche machen die Flüchtlingspolitik der Vergangenheit dafür verantwortlich. Wer so denkt, macht es sich zu einfach. Die Politiker der großen, etablierten Parteien haben den Kontakt zu den Menschen verloren. Sie haben sich nicht um sie bemüht, sie außen vorgelassen und nicht ernst genommen. Der Wahlausgang macht unmissverständlich deutlich: Diese Art der Politik wollen die Bürger nicht mehr.

Weitere Artikel und Informationen zum Thema: ?

www.wir-leben-bio.com
Protestmarsch auf der B239 gegen Raubbau an der Natur (Detmolder Kurier, Nr. 179, 6. Okt. 2017, Seite 2)
https://www.yumpu.com/de/document/view/59456372/detmolder-kurier-179
Mehrere Artikel zum Thema Gewerbegebiete Jerxen-Orbke: http://www.lz.de/lippe/detmold/





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