Berichte / Neonazismus

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Woanders gelesen: hiergeblieben.de 19.11.2014

"Heldengedenken" in der Kriegsgräberstätte Dörenschlucht


Melanie Schwarz - 21.11.2014

Aufgelöste Neonazi-Organisation "DAJ" gedenkt der Waffen-SS



Am 16. November 2014 führten Neonazis am späten Nachmittag am "Ehrenfriedhof Dörenschlucht" (Kriegsgräberstätte Dörenschlucht), etwa ein Kilometer nördlich der "Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne" in Augustdorf, eine "Heldengedenkfeier" für gefallene Soldaten der Waffen-SS durch. Direkt neben dem des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., zum "Volkstrauertag", legten die neonazistischen Aktivisten einen Kranz mit Schleife und der Aufschrift "Ihr gabt Euer Blut Für Deutschland. Und trotzdem wurdet Ihr Eurer Ehrenzeichen beraubt. Die Ehre aber bleibt ewig, Niemand kann sie euch nehmen! In Treue und Dankbarkeit - DAJ" nieder. Jeder Grabstein wurde zudem mit einer Blume und einer Grableuchte bestückt.

Gedenkstein an der Kriegsgräberstätte Dörenschlucht

"Deutsche Arbeiter-Jugend" ("DAJ")

Die infolge von Strafverfolgungsmaßnahmen aufgelöste "Deutsche Arbeiter-Jugend" ("DAJ"), deren Aktivitäten sich auf das Jahr 1982 beschränkten, setzte sich aus Mitgliedern der neonazistischen "Wiking-Jugend" (WJ), ehemaligen NPD-Mitgliedern und früheren Angehörigen der verbotenen "Volkssozialistischen Bewegung / Partei der Arbeit" (VSBD/PdA) zusammen.

Waffen sichergestellt

Die Mitglieder der Gruppierung führten paramilitärische Übungen durch. Bereits im Dezember 1982 waren bei Anhängern der "DAJ" auch Waffen sichergestellt worden. Am 17. April 1982 überfiel eine achtköpfige, mit Schlagstöcken und Messern ausgerüstete Aktivistengruppe, darunter vier Anhänger der "DAJ", ein besetztes Haus in Berlin-Kreuzberg.

"Heldengedenken" 2013

Bereits zum "Heldengedenken" am 17. November 2013 legten Neonazis einen "DAJ"-Kranz mit der Aufschrift "Wer das Gestern verrät, verrät auch die Zukunft" an der Kriegsgräberstätte nieder.

Verbotene Neonazi-Organisationen

Der Neonazi-Kranz 2013

Langjährige Beobachtende der neonazistischen Szene ordnen die "DAJ"-Kranzniederlegungen in den Jahren 2013 und 2014 in der Dörenschlucht ehemaligen Akteuren der 1994 verbotenen "Wiking-Jugend" (WJ) und den regionalen Nachfolgestrukturen der 2009 ebenfalls verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" (HDJ) zu.

Waffen-SS in Augustdorf

Im März und April 1945 waren in der Augustdorfer Kaserne unter anderem das "SS-Panzerersatz- und Ausbildungsbataillon 1" der Waffen-SS, "Regiment Holzer", untergebracht. Bei der Verteidigung der Kaserne am 2. April 1945 (Ostermontag) kam es zu einer Schlacht an der Passstraße in der Dörenschlucht, bei der 35 Männer einer Genesenen-Kompanie der Waffen-SS und eine unbekannte Anzahl von amerikanischen Soldaten fielen. Die Soldaten der Wehrmacht der "Kampfgruppe Reinhold" und der Waffen-SS konnten den Vormarsch der 3. US-Panzerdivision durch Abschuss von sieben Sherman-Panzern zeitweise verzögern, blieben letztlich erfolglos. Am 3. April 1945 siegten die amerikanischen Truppenverbände.

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