Berichte / Arbeitskämpfe

Begründung für Kündigungen
bei der Fa. Buchbinderei BSD in Detmold:

"Zu faul ....... zu alt ..... zu teuer"


Ottmar Bürgel (ver.di) – 23.01.2014

Mahnwachen vor der Geschäftsstelle
der Lippischen Landeszeitung



"Zu faul, zu alt, zu teuer"
Unter diesem Motto findet ab dem 25. Januar 2014 bis auf Weiteres
jeden Samstag von 11:00 bis 13:00 Uhr
eine Mahnwache vor der Geschäftsstelle der Lippischen Landeszeitung in Detmold, Paulinenstr. 43 statt. Damit wollen die Beschäftigten der Fa. Buchbinderei Service Detmold (BSD) auf ihre Situation (und die ihrer Familien) aufmerksam machen.

Die Geschäftsstelle der LZ in Detmold

Zum Hintergrund:
Die Firma BSD gehörte bis 01.07.2013 zur Druckerei und Verlag Hermann Bösmann GmbH, Medien Centrum Giesdorf, unter anderem Druckhaus der Lippischen Landeszeitung und Eigentümer von Radio Lippe. Die Druckerei und Verlag Hermann Bösmann GmbH (ca. 90 Beschäftigte) wurde in drei Betriebe aufgespalten. Den Beschäftigten aller drei abgespaltenen Betriebe wurden neue Arbeitsverträge vorgelegt. Diese neuen Verträge bedeuten für jeden Beschäftigten eine jährliche Einbuße von ca. 8.000 Euro.

Schon zuvor hatten die Beschäftigten acht Jahre lang freiwillig Einbußen hingenommen (keine Tariferhöhungen, unbezahlte Mehrarbeit); durch den Austritt der Firma aus der Tarifbindung wurde dies möglich. Die Beschäftigten wurden seitens der Verlagsleitung massiv zur Unterschrift der neuen Verträge gedrängt, der Betriebsrat der Druckerei und Verlag Hermann Bösmann GmbH wurde mit diversen Abmahnungen traktiert, beantragte Qualifizierungsmaßnahmen des Betriebsrates wurden seitens der Geschäftsleitung abgelehnt. Höhepunkt war der Versuch der Geschäftsleitung des Medien Centrums Giesdorf, den Betriebsratsvorsitzenden wegen angeblichen Arbeitszeitbetrugs loszuwerden. Der Versuch scheiterte vor dem Detmolder Arbeitsgericht kläglich.

Der von der Geschäfts- und Verlagsleitung auf die Beschäftigten ausgeübte Druck führte dazu, dass die neuen Arbeitsverträge (kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, fünf Stunden wöchentliche Mehrarbeit ohne Bezahlung, Streichung von Freischichten, etc.) von vielen unterschrieben wurden.

Das Medienzentrum Giesdorf in der Ohmstraße

Jedoch neun Kolleginnen und Kollegen der Druckweiterverarbeitung, Firma BSD, weigerten sich die Unterschrift zu leisten. Inzwischen wurden von der Geschäftsleitung die von ver.di eingeforderten Haustarifverhandlungen nach zwei Treffen abgesetzt.

Etwa fünf Wochen nach Abspaltung der Firma BSD von der übrigen Firma H. Bösmann, wurde den Beschäftigten der BSD mitgeteilt, dass die Firma BSD zum 31.03.2014 geschlossen werde und dass sie die Kündigung erhalten. Nach bis zu 42-jähriger Betriebszugehörigkeit stellte sich dann also schon die Frage: Warum werden wir gekündigt? Antwort des Verlagsleiters: "Zu faul, zu alt, zu teuer", sagte er den Betroffenen ins Gesicht.

Und das alles ohne Sozialplan, ganz kalt entsorgt, weil die Firma BSD weniger als 20 Beschäftigte (gesetzliche Grenze) hat.

Es ist erschreckend, dass sich Jemand, der vor Ort das Meinungsmonopol zu haben scheint glaubt, er könne so mit langjährig Beschäftigten umgehen und sich in „seiner“ Medienwelt weiter als der „Gutmensch“ präsentieren lassen.

Es ist Zeit, dass Vernunft und Menschlichkeit einkehrt!

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