Berichte / völkische Esoterik


Pressemitteilung
zu den "47. Externstein-Vortragstagen"

"Schwärmen für Germanien"
wieder völkische Schwarmgeister
in Horn-Bad Meinberg

Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister
an den Externsteinen - Michael Heinrichs 05.05.2013

Vom 8. bis 12. Mai 2013
in der Burgscheune in Horn-Bad Meinberg


Vor einigen Wochen wurde im Bremer Focke-Museum unter großer Medienaufmerksamkeit die Ausstellung "Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz" eröffnet (vgl. Lippische Landes-Zeitung vom 22. März). Sie beleuchtet die Entstehung des Konstruktes "Germanien" und die ideologischen und praktischen Verschränkungen von Archäologie und Nationalsozialismus. Die Ausstellung zeigt aber auch, wie die konstruierten Germanen-Bilder in der Nachkriegszeit weiterlebten.

Gleich in mehreren Vitrinen finden sich Objekte mit direktem Bezug zum "Forschungskreis Externsteine", der vom 8. bis 12. Mai in der städtischen Burgscheune in Horn-Bad Meinberg eine Tagung abhalten will. Denn der "Forschungskreis Externsteine" verbreitet genau das Gedankengut derjenigen völkischen Ideologen, die den Glauben an eine überlegene "arisch-germanische Rasse" konstruierten und förderten.

Von Teudt und Wirth zu Machalett
- völkische Kontinuitäten par excellence

Die in der völkischen Bewegung der 1920er Jahre propagierte und im Nationalsozialismus zur staatstragenden Ideologie gewordene Ansicht, es habe in der Vorzeit eine Hochkultur der "weißen Rasse" gegeben, wurde unter anderem von den völkischen Esoterikern und SS-Protagonisten Wilhelm Teudt und Herman Wirth vertreten; sie betrachteten die Externsteine nahe Horn-Bad Meinberg als wichtigen Kultort dieser Kultur. Ihre rassistischen Ideen nahm in der Nachkriegszeit der Autor Walther Machalett auf und verbreitete sie in Vorträgen und Büchern, beispielsweise in einem seiner Hauptwerke mit dem Titel: "Die EXTERNSTEINE - Das Zentrum des Abendlandes - Die Geschichte der weißen Rasse".
Seit den 1960er Jahren trafen sich die Anhänger dieser Ideen unter dem Namen "Forschungskreis Walther Machalett" jährlich an den Externsteinen; Wirth war in den 1970er Jahren sogar selbst Teilnehmer einer Tagung. 2007 entstand aus diesem Zirkel der "Forschungskreis Externsteine".

Selbstreflexion: Fehlanzeige

Nach antifaschistischen Protesten hatte der Vereinsvorsitzende Matthias Wenger 2011 eine Aufarbeitung der extrem rechten Vergangenheit des Vereins angekündigt. Doch damit scheiterte er auf ganzer Linie: Auf den "46. Externstein-Vortragstagen" im Mai 2012 bekräftigte der Referent Jürgen Mische sein Bekenntnis zu dem völkischen Schwarmgeist Wilhelm Teudt und dessen rassistischer Germanen-Schwurbelei: "Die erwähnte Hauptthese (Wilhelm Teudts) ist astronomisch und fachmännisch untersucht worden und in der Sache richtig. Bis zur allgemeinen Anerkennung wird vielleicht noch einiges Wasser die Weser herunter fließen, aber die Wahrheit lässt sich nicht unterdrücken."
Das Publikum war angesichts solcher Worte hellauf begeistert, lautstarker Applaus brandete auf - ungeachtet der Tatsache, dass die Thesen Teudts heute - wie in der Bremer Ausstellung zu sehen - wissenschaftlich nicht haltbar sind.

Aus dem Verfassungsschutzbericht Baden-Würtembergs 2011
Doch nicht nur inhaltlich, auch personell scheinen die Verbindungen des "Forschungskreis Externsteine" weit ins rechte Lager zu reichen: So durfte während der letztjährigen Tagung mit Burkhard Weecke ein bekannter Vertreter der organisierten extremen Rechten einen Büchertisch anbieten. Weecke, der stellvertretender Vorsitzender des Kasseler "Thule-Seminars" und völkischer Verleger ist, hatte offen Bücher aus Verlagen wie dem "Grabert Verlag" ausgelegt, die das Bundesamt für Verfassungsschutz als "rechtsextremistisch" einstuft.
Und das im Rathaussaal der Stadt Horn-Bad Meinberg, die dem Verein die Räumlichkeiten trotz öffentlicher Kritik freundlich überlassen hatte und ihm damit quasi die offiziellen Weihen der Politik zukommen ließ.

Angesichts all der Vorfälle auf der Tagung 2012 - dem offenen Bekenntnis zu einem völkischen "Germanenkundler", dem anhaltenden Applaus der überwältigenden Mehrheit der Anwesenden und der Einbindung eines Aktivisten der extremen Rechten in die Tagung - kann keine Rede mehr davon sein, dass hier ein Aufarbeitungsprozess ernsthaft in Angriff genommen worden wäre. Hinzu tritt die Tatsache, dass der "Forschungskreis Externsteine" und sein Vorsitzender Matthias Wenger mit dem Programm der diesjährigen Tagung wiederum an der unsäglichen Tradition der letzten Jahre anknüpft - unter dem Diktum der Meinungsfreiheit.

Same procedure as last year - same procedure as every year!

"In den ersten vier Jahrzehnten dominierte in diesem Kreis eine Form der Meinungsfreiheit, die mich auf jeder Tagung immer wieder erneut fasziniert hat", schreibt der Vereinsvorstand in der Einladung zur diesjährigen Tagung. Die in den vergangenen Jahrzehnten gehaltenen völkischen und extrem rechten Vorträge sieht er als Zeichen großer "Meinungsfreiheit", die Tagungen selbst sogar als "eine hohe Schule der Toleranz". Dem Verein schließlich schreibt er die positive Eigenschaft zu, Ideologie von wissenschaftlicher Forschung trennen und Missbrauch erkennen zu können: "Und weil wir uns seit einiger Zeit entschlossen haben, diesen Mißbrauch offen zu benennen, können wir vielleicht noch besser als andere Organisationen in Lippe über historisch und politisch belastete Meinungsverschiedenheiten sprechen." (Rechtschreibung im Original)

Doch was sich so schön liest, ist bei näherem Hinsehen lediglich oberflächliche Weißwäsche: Unbekümmert weist auch das Tagungsprogramm 2013 Vorträge mit völkischem Fokus aus. So stehen auch dieses Jahr wie schon häufiger wieder die angeblichen "Großskulpturen" an den Externsteinen auf dem Programm, die vor allem von der bis zu ihrem Tod in der extremen Rechten aktiven Elisabeth Neumann-Gundrum hier hineingedeutet wurden - als Beweis für die angebliche "Hochkultur der Germanen". Weitere Vorträge zeigen schon im Titel völkische Themensetzungen, etwa Günter Heineckes Behandlung der "ostwestfälische(n) Irminsullandschaft". Auch Beiträge wie Rolf Speckners "Deutscher Traum und deutsches Trauma - das Dritte Reich aus anthroposophischer Sicht", die vermutlich der Aufarbeitung dienen sollen, lassen kaum eine rationale Auseinandersetzung mit der Problematik vermuten.

Völkische Schwarmgeister
- herzlich willkommen in der Stadt Horn-Bad Meinberg?!

In den letzten beiden Jahren haben wir als "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteine" in insgesamt sieben Pressemitteilungen (siehe Anlagen) auf die ideologischen und personellen Verbindungen des "Forschungskreis Externsteine" hingewiesen. Trotz der Behauptung des Vereinsvorsitzenden, die extrem rechte Vergangenheit aufarbeiten zu wollen, bleibt festzustellen, dass die ideologische Kontinuität völkischen Denkens in diesem Kreis anhält:
Beim "Forschungskreis Externsteine" handelt es sich bis heute um eine germanophile, völkischen Vorbildern folgende Gruppierung. Angesichts des während der letzten Tagung offensichtlich gewordenen Scheiterns der angekündigten Aufarbeitung erwarten wir, dass die auch bisher schon unverständliche Raumvergabe an die völkischen Schwarmgeister durch die Stadt Horn-Bad Meinberg nicht mehr stattfindet - weder in der Burgscheune noch in einem anderen öffentlichen Gebäude. Der "Forschungskreis Externsteine" sollte nun endlich durch die Verantwortlichen der Stadt Horn-Bad Meinberg als vom völkischen Denken tief durchdrungene Organisation wahrgenommen werden.

Wir fordern daher weiterhin:

- die sofortige Einstellung der in der Vergangenheit durch die Stadt Horn-Bad Meinberg faktisch - durch Bereitstellen von Infrastruktur - und symbolisch - durch Grußworte des Bürgermeisters - geleistete Unterstützung des "Forschungskreises Externsteine"

sowie

- die sofortige Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins durch das zuständige Finanzamt.



A n l a g e n :

Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen , 29.05.2012 :
Pressemitteilung / "46. Externstein-Vortragstage" des "Forschungskreises Externsteine e.V." / Eine Bilanz
-> Zur Pressemitteilung

Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen , 22.05.2012 :
Vorläufige Bilanz der "46. Externstein-Vortragstage": Kein Abrücken von völkischen Vordenkern und weiterhin Kontakte in die extreme Rechte
-> Zur Pressemitteilung

Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen , 15.05.2012 :
Pressemitteilung / Nicht "privat" und keine "Jugendsünde" / Arbeitskreis fordert weiterhin: "Keine völkischen Schwarmgeister im Rathaus von Horn-Bad Meinberg!"
-> Zur Pressemitteilung

Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen , 30.04.2012 :
Pressemitteilung: Vorne "Hui" und hinten "Pfui" - Kein völkisch-germanophiles Treiben im Rathaus von Horn-Bad Meinberg
-> Zur Pressemitteilung

Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen , 05.06.2011 :
Pressemitteilung / Keine Neuausrichtung des "Forschungskreis Externsteine" erkennbar - Austritt empfohlen
-> Zur Pressemitteilung

Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen , 03.06.2011 :
Pressemitteilung / Arbeitskreis fordert inhaltliche Debatte zum "Forschungskreis Externsteine" ein - Position des Bürgermeisters ambivalent, teilweise "höchst problematisch"
-> Zur Pressemitteilung

Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen , 30.05.2011 :
Pressemitteilung / Seminar am "Heiligtum" der "weißen Rasse" - die "Externstein-Vortragstage" des "Forschungskreises Externsteine e.V."
-> Zur Pressemitteilung

Selbstdarstellung:

Der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" ist ein Zusammenschluss interessierter Personen, der sich anlässlich der aktuellen Vorgänge im Bereich der Externsteine zusammen fand und umfangreiche Materialien zum Thema ausgewertet hat.

Kontakt über: info@hiergeblieben.de








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