Berichte / Arbeitskämpfe


Bad Salzufler Traditionsunternehmen Linpac Stuki wird endgültig abgewickelt

Lockhauser Beschäftigte
als Spielball des Hedgefonds OEP


T2 – 19.12.2012

Linpac verlagert Standort nach Schwerin und Berlin



Obwohl Insider schon seit einem Jahr die Befürchtungen hatten, für die 158 Beschäftigten der Firma Linpac-Allibert (ehemals Stuki) ist es trotzdem kurz vor Weihnachten ein Schock: Die Produktion und Verwaltung der Firma wird nach Schwerin und der Customer Service und die Vertriebszentrale nach Berlin verlagert.
Dass den Arbeitern und Angestellten ein Übernahmeangebot gemacht wurde, hilft ihnen wenig: die meisten haben Familien und Häuser in der Region. Die IG Metall spricht von „billiger Entsorgung der Arbeitnehmer“ und kündigt heftige Gegenwehr an.

Aktive Mittagspause vor dem Werkstor (Foto: IG Metall)

Im Sommer 2011 war die Linpac-Allibert-Gruppe an den Hedgefonds One Equity Partners (OEP) verkauft worden, der seinen Sitz im Steuerparadies Cayman Islands hat. Die OEP ist ein Unternehmen der zweitgrößten US-amerikanischen Bankengruppe JP Morgan Chase & Co.
Private Equitys sind Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die ihre finanziellen Mittel v.a. von Banken und Versicherungen erhalten. Mit einem hohen Anteil von zusätzlich geliehenem Fremdkapital werden dann lukrative Unternehmen gekauft. Einziges Ziel: hohe Profite machen, das Unternehmen selber und die Beschäftigte zählen hier nichts.
Der ehemalige SPD-Bundesminister Müntefering verglich diese Gesellschaften 2005 mit einem Heuschreckenschwarm.

Linpac wird in die niederländisch-deutsche Schöller Arca Systems (SAS) eingegliedert, an der die OEP einen Anteil von 60% hat. Die SAS ist ein Riese unter den Produzenten von Kunststoffstapelbehältern: Nach eigenen Angaben erwirtschaftete sie 2009 mit 1000 Beschäftigte einen Umsatz von 470 Millionen Euro.

Kunststoffunternehmen scheinen für den Hedgefonds OEP attraktiv zu sein. Da OEP schon mehrere solche Unternehmen besitzt, stimmte das Kartellamt dem Kauf von Linpac nur unter der Bedingung zu, dass am Standort Bad Salzuflen-Lockhausen der Bereich Getränkekisten weiter verkauft würde.
Der Betriebsrat wurde damals an dieser Entscheidung nicht beteiligt, die IG Metall hält dieses Vorgehen für rechtswidrig und will Beschwerde einlegen.

Die Konsequenzen dieses Beschlusses baden nun die Lockhauser aus, sie sind ein „Bauernopfer des Konzentrationsprozesses“, so der erste Bevollmächtigte der IG Metall in Detmold.

Die Protestmaßnahmen der Arbeiter und Angestellten waren gering: Am 8.März veranstalteten sie anlässlich des Verkaufs vor dem Werktor mit Fahnen und Trillerpfeifen eine „aktive Mittagspause“.
Jetzt wird am 20.Dezember um 17 Uhr eine Lichterkette auf dem Bad Salzufler Weihnachtsmarkt organisiert.

Dass sich die Bosse von OEP davon beeindrucken lassen, ist kaum zu erwarten.
Die bräuchten wohl mehr Feuer unter dem Hintern.





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