Berichte / völkische Esoterik

Arbeitskreis fordert weiterhin:

"Keine völkischen Schwarmgeister
im Rathaus von Horn-Bad Meinberg!"


Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen - 15.05.2012

Entgegnung auf eine Presserklärung des Forschungskreises Externsteine




Nicht "privat" und keine "Jugendsünde"

Am 30. April 2012 hatte der "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" auf anhaltende Verstrickungen von wichtigen Mitgliedern, der Referenten und von Teilen des "Forschungskreis Externsteine" hingewiesen (-> Wortlaut im Salzekurier). In der erschienenen Presseerklärung des Vereinsvorstandes des "Forschungskreis Externsteine" vom 8. Mai 2012 wird die Kritik zurückgewiesen, in wichtigen Punkten ist die Argumentation des Vereinsvorsitzenden des "Forschungskreis Externsteine", welcher versucht der Kritik am "Forschungskreis" zu widersprechen, jedoch falsch oder verharmlosend.
Allein der Umgang mit den Vorwürfen, welche im Folgenden nochmals detailliert aufgeführt werden, belegt, dass der Arbeitskreis sich nicht von der völkischen Ideologie gelöst hat. Die inhaltlichen Probleme werden als "privat" und als "Jugendsünden" entpolitisiert, die völkischen Ideologie im Verein "Forschungskreis Externsteine" ignoriert und den Kritikern vorgeworfen, eben mit ihrer Kritik die Aufklärung "über den rechtsextremen Missbrauch der Externsteine" zu behindern. Und das von einem Verein, welcher seit über 40 Jahren die Externsteine nutzt, um an Hand derer völkische Deutungen zu konstruieren.

Wir vom "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister an den Externsteinen" fordern, wohl die Bemühungen einzelner Vereinsmitglieder um Veränderung sehend, beachtend und achtend, daher weiterhin den Bürgermeister als Vertreter der Stadt Horn-Bad Meinberg auf, den Mietvertrag mit dem "Forschungskreis Externsteine" zu lösen und diesem die Nutzung repräsentativer Räume zu verweigern.

Rein privat?

In der Presseerklärung des "Forschungskreises Externsteine" vom 8. Mai wird auf die Tatsache, dass das Vorstandsmitglied Stefan Hövel Webmaster und Verantwortlicher nach dem Pressegesetz der Website der "Forschungsgruppe Externsteine-Kultur", welche völkische Ideologie anpreist, ist, geantwortet: "Was in anderen privaten Gruppen wie der sogenannten "Forschungsgruppe Externsteine Kultur" abläuft, steht nicht in der Verantwortung unseres Vereins."

Diese Argumentation ist aus mindestens zwei Gründen falsch. Erstens ist es natürlich keine "private" Angelegenheit, wenn ein Vorstandsmitglied des Vereins weiterhin die positive Rezeption extrem rechter Ideologen verantwortet. Zweitens und viel schwerwiegender ist allerdings, das es sich bei der "Forschungsgruppe", deren Website Stefan Hövel verantwortet, nicht um irgendeine Gruppierung handelt, sondern das diese Gruppe teilweise aus dem "Forschungskreis Externsteine" heraus entstand und seit 2007 regelmäßig in der Vereinsschrift "Rückschau" über die Tätigkeit der "Forschungsgruppe Externsteine" berichtet wurde.

2010 schrieb das aktuelle Vorstandsmitglied Stefan Hövel in der "Rückschau", dass die "Forschungsgruppe Externsteine" aus "Mitgliedern unseres Vereins, des Forschungskreises Externsteine e.V. und aus Externen, die sich dem Verein nicht anschließen wollten und wollen" (3) besteht.
Wenn 2007 der damalige Vorsitzende des "Forschungskreis Externsteine", Gert Meier, in seinem Rechenschaftsbericht zur "Forschungsgruppe" schreibt: "Das übrigens die "Forschungsgruppe Externsteine", nicht "Forschungsgruppe Machalett" heißt - Frau Nack beispielsweise ist nicht Mitglied des Vereins, und Herr Fritzen, Herr Wenger etc. sind es auch (noch) nicht - hat seinen guten Grund. Forschung ist nicht von Vereinszugehörigkeit abhängig" (2), so hat man den Eindruck, dass es sich bei der Gruppe um eine Vorfeldorganisation des "Forschungskreis Externsteine" handelt. Festzuhalten bleibt, dass damals laut dem Rechenschaftsbericht die bis heute zentralen Akteure des Vereins und seines Vorstands Mitglieder der "Forschungsgruppe Externsteine" waren.

Herr Hövel soll im Rahmen der diesjährigen Tagung die neuesten Entwicklungen der "Forschungsgruppe" darstellen. (1) Wenn Matthias Wenger diese als "privat" bezeichnet, hat er sicherlich recht, was die Rechtsform betrifft, wenn er das so formuliert, um den Vorwürfen zu widersprechen, so muss auf Grund der Quellenlage festgestellt werden, das Wenger hier bewusst versucht einen falschen Eindruck zu erwecken.

15 Jahre Jugendsünden?

Tatsächlich ist die Ankündigung, dass Herr Ralf Koneckis auf der neonazistischen Hetendorfer Tagungswoche referieren soll schon von 1995. Das als "Jugendsünde" zu bezeichnen, negiert jedoch, dass Koneckis damals nicht zufällig in diese Tagung stolperte, sondern weitreichende Kontakte in die extreme Rechte hatte, was in der Pressemitteilung auch belegt wird. So war er damals Autor des "neurechten" Magazins "Elemente" und organisierte mit Burkhard Weeke aus Horn Bad-Meinberg, dem Herausgeber dieser neurechten Publikation, die "Externsteiner Tagungswochen".
Auch in späteren Jahren blieb Koneckis der extremen Rechten verbunden. Noch 2004, also 9 Jahre später, veröffentlichte er im Jahrbuch des Vereins "Ur-Europa", welcher bis heute vom Gedankengut Herman Wirths geprägt ist, einen Aufsatz, seines Beitrags einer Tagung des Vereins in 2003. Dabei legt Koneckis eine erstaunliche Kontinuität an den Tag, bei selbiger Gesellschaft referierte er seit 1986 mehrfach. Auch beim "Forschungskreis Externsteine" referierte er in der Vergangenheit schon, so 2003.

Eine Jugendsünde kann das Engagement von Koneckis wohl kaum genannt werden. Zudem ist eine nicht zu übersehende Kontinuität der von Koneckis präsentierten Inhalte festzustellen. Schon in seinem 1985 veröffentlichten Buch "Sonne, Mond und Steine" dienen ihm die Edda und Märchen als Belege für eine jungsteinzeitliche Kulturhöhe der Europäer, welche sich in einer "höheren Himmelskunde" ausdrückt. (3)
Hinweise auf diese fänden sich nach Koneckis zum Beispiel in der Edda, welche somit zum Beweis der "Hochkultur" wird. (4) Wenn Koneckis 2003 in seinem auf der Tagung des völkisch-rechten Vereins "Ur-Europa" (5) gehaltenen Vortrags schreibt, dass in den Kyffhäusersagen astronomische Ereignisse verschlüsselt dargestellt sein könnten, dann bewegt er sich in direkter Kontinuität seiner Behauptungen von 1985.

Völkische Ideologie ignoriert

"Rechtsextremismus kritisch zu betrachten, heißt auch nicht, Menschen als Personen anzugreifen, sondern politisch-ideologische Zusammenhänge aufzuzeigen", schreibt der Vorsitzende des "Forschungskreis Externsteine" Matthias Wenger, damit hat er recht. Das bedeutet jedoch nicht, dass Verstrickungen von Personen nicht benannt und öffentlich gemacht werden sollten. Denn diese werden hier nicht als Personen "angegriffen", sondern in ihrem politischen Handeln kritisiert.

Bemerkenswerter ist hier jedoch etwas anderes, nämlich, dass gerade das von Wenger eingeforderte Aufzeigen politisch-ideologischer Zusammenhänge von Seiten des Vereins nach außen feststellbar nicht passierte. Auch in der Presseerklärung wird auf das diesbezügliche Beispiel von K. Walter Haugs Beitrag "Das wahre Alter der Externsteine" in der aktuellen "Rückschau" (7) nicht eingegangen. Ob hier die Argumente fehlen?

Quellen:

(1) Einladung zu den 46. Externstein-Vortragstagen.
(2) o.A. (Meier, Gert): Rechenschaftsbericht des Vorstands 2007. In: Rückschau 2007, S. 3 ff.
(3) Hövel, Stefan: Die Himmelssteine und Teufelssteine. In: Rückschau 2010, S. 66.
(4) Koneckis, Ralf: Sonne, Mond und Steine. Horn 1985, S. 9 - 13.
(5) Koneckis, Ralf: Himmelskunde in Alteuopa. In: Elemente zu Metapolitik, Kassel 1987, Ausgabe 2, S. 36 - 41.
(6) Zum Vorgängerverein von Ur-Europa, der "Gesellschaft für europäische Urgemeinschaftskunde e.V." und der "Herman-Wirth-Gesellschaft" vgl. Mecklenburg, Jens (Hg): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, S. 385 f.
(7) Haug, K. Walter: Das wahre Alter der Externsteine. In: Rückschau 2011, Berlin, S. 18 - 24.




Kontakt zum "Arbeitskreis wider die völkischen Schwarmgeister": info@hiergeblieben.de

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