Berichte / Kommunales


Bad Salzufler Konzept gegen Jugendkriminalität:

"Ermitteln, bestrafen, einsperren"


Harald Nickel und T2 - 16.02.2011

Mahnungen des Jugendrichters
Christian von Börries werden überhört



Seit einigen Jahren hat Bad Salzuflen in Lippe die meisten jugendlichen Intensiv-Straftäter. Zu dieser Gruppe gehören diejenigen, die fünf Delikte im Jahr oder eine herausragende Gewalttat verübt haben.

Als zu Jahresbeginn der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts Christian von Borries in einem Interview mit der Lippischen Landeszeitung darauf aufmerksam machte, dass er seit einem Jahr ein langfristiges Konzept einfordere aber nichts passiert sei, da war der Aufschrei bei den Rathauspolitikern groß.
Weh tat ihnen vor allem sein Hinweis, dass es woanders besser laufe, wie z.B. in Detmold, wo durch den massiven Einsatz von Streetworkern Erfolge erzielt worden seien. In Bad Salzuflen fehlten v.a. Betreuungseinrichtungen wie Jugendclubs. In der Badestadt gelte die Devise: "Sparen, sparen, sparen".

Zustimmung fand von Borries lediglich bei den Bad Salzufler Grünen und der nicht im Rat vertretenden Partei Die Linke.

Die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Marion Rieso-Wiege (SPD) wiegelte ab: "Da kann ich nicht folgen.", "Mit Finanzen hat das nicht zu tun." (LZ 15.1.2011: "Kriminelle Jugendliche. Politik reagiert" )
Die CDU und FDP hielten sich öffentlich eher zurück, aber ihre Meinung dürfte nicht wesentlich von der von Matthias Obenhaus ("Bunte" Liste) abweichen, der genau wie der rechtspopulistische Friedrich-Wilhelm Biermann zuvor als Kandidat der Partei "Die Linke" in den Rat gewählt worden war und anschließend diese Partei verlassen hatte.
Für ihn ist das Problem nämlich erledigt: "...also was gibt es zu tun, als das, was der Rechtsstaat nicht bereits täte: Ermitteln, bestrafen, einsperren." (Webseite der Bunten Liste, "Hinschauen", 3.1.2011)

Dabei hat das Problem der Jugendkriminalität in Bad Salzuflen eine längere Vorgeschichte:
Seit der Schließung des Jugendclubs im Haus Schuseil vor vielen Jahren gibt es im Zentrum von Bad Salzuflen keinen Jugendtreff mehr, in dem Jugendliche die Chance hätten, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten.

Der Mangel an Berufsausbildungs- und Arbeitsplätzen für die Jugendlichen dürfte ihre Perspektivlosigkeit begründen.
Es ist also kein Wunder, dass sie hoffnungslos auf der Straße leben und dabei auf dumme Gedanken kommen.

"Verurteilen und einsperren" löst die Probleme nicht, sondern verstärkt sie nur. Und das hat mit Integration nichts zu tun.

"Politik reagiert" heißt es aber wie reagiert sie? Bereits vor zwei Jahren wendeten sich Jugendliche mit einer Unterschriftensammlung an den Bürgermeister und die Stadtverwaltung, um ein Jugendzentrum im Salzufler Zentrum zu erwirken. Aber bis zum heutigen Tag wurden nur leere Versprechungen gemacht und Chancen durch Gebäudeabrisse, wie z.B. die ehemalige Berufsschule an der Schützenstraße, mutwillig zerstört.

Wirkungsvolle Hilfe wurde den Jugendlichen bisher versagt. Und daran ändern auch die Bemühungen weniger Streetworker nichts. Von guter Arbeit des Jugendamtes und des Jugendhilfeausschusses kann also keine Rede sein, solange ihnen die nötigen Mittel verwehrt werden.

Neben der Verstärkung der Streetworkertätigkeit muss endlich ein interkulturelles Jugendzentrum für alle Jugendliche her, um mit einer sinnvollen Freizeitgestaltung den Jugendintegrationsprozeß zu ermöglichen, damit die Jugend eine Zukunft hat.
Dieses Jugendzentrum könnte z.B. im Objekt des ehemaligen Aldi-Marktes am Herforder Tor, einem anderen ungenutzten Objekt im Zentrum von Bad Salzuflen, eingerichtet werden.

Interessierte Betreuer/innen würden sich schon finden lassen.
Das gibt es zu tun!!

Aber offensichtlich fehlt es im Rathaus am politischen Willen, den vernachlässigten und allein gelassenen Jugendlichen wirklich zu helfen und damit Jugendkriminalität zu vermeiden!





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