Berichte / Bad Salzuflens "Vergangenheitsbewältigung"


Ehemals im Besitz von im Faschismus ermordetem Juden:

Bad Salzuflen verkauft
das Obermeyersche Haus



T2 – 30.10.2010

Einziger Überlebender der Familie ist entsetzt



Mit dem dem ehemaligen städtischen Museum „Haus Obermeyer“ verbindet sich eine grauenvolle Geschichte.
Das Haus war seit 1900 in jüdischem Besitz. Hier betrieb der Geschäftsmann Siegfried Obermeyer ein Haushalts- und Eisenwarengeschäft.
Drei Tage nach den Novemberpogromen 1938 wurde am 12.November die Schließung des Ladens staatlich angeordnet.

Spätestens jetzt entschloss sich die Familie Obermeyer zur Auswanderung und bot der Stadt das Geschäft zum Kauf an. Die Verhandlungen wurden von der Stadt aber derart in die Länge gezogen, dass die Emigrationsgenehmigung für die Obermeyers zu spät kam. Mit dem Überfall auf Polen am 1.September 1939 war eine „legale“ Auswanderung nicht mehr möglich. Den wohl auch zu geringen Kaufpreis überwies die Stadt damals auf ein Sperrkonto der Deutschen Bank, so dass die Obermeyers nicht über das Geld verfügen konnten.

Nach ihrer Flucht nach Luxemburg, wo sie wieder den Nazis in die Hände fielen, kamen Siegfried Obermeyer 1942 und seine Frau 1944 im Lotzscher Ghetto um. Sowohl ihr Sohn Ernst als auch sechs weitere Verwandte in Bad Salzuflen wurden von den Nazis umgebracht.
Als einziger überlebte ihr Sohn Hans, der heute als amerikanischer Staatsbürger John Obermeyer in Colorado wohnt.

Nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus tat Bad Salzuflen alles, um die damaligen Verbrechen zu vertuschen. Das Obermeyersche Haus wurde vermietet, 1980 richtete man dort das Stadtmuseum ein. Ein Hinweis auf die ehemaligen Besitzer unterblieb.

Erst als im Januar 2008 Bad Salzufler Antifaschisten vom Stadtrat forderten, die „Otto-Künne-Promenade“ in „Siegfried-und-Amalia-Obermeyer-Straße“ umzubenennen und eine Gedenktafel am Obermeyerschen Haus anzubringen, da wurde im Museum eine kleine Ausstellungsecke eingerichtet.
Der Stadtrat lehnte es damals mit den Stimmen der CDU, FDP und FWG ab, dem „willfährigen und engagierten Diener des NS-Staates“(1) Otto Künne den Straßennamen abzuerkennen. Der Anbringung einer Gedenktafel draußen am Haus wurde mit Hinweis auf die Ausstellungsecke im Inneren des Museums widersprochen.

Die Stadtverwaltung änderte ihre Meinung auch nicht, als 2009 der „Bad Salzufler Ratschlag gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit" an allen Stätten des ehemaligen jüdischen Lebens Gedenktafeln anbringen wollte.
Nicht ein einziger der jetzigen Hausbesitzer gab die Genehmigung, die Stadt für das Obermeyersche Haus lehnte ebenso ab!
Bad Salzufler Tradition eben.

Aber es kam noch schlimmer.

Um die Kassen zu füllen, beschloss der Stadtrat mit den Stimmen der großen Koalition CDU und SPD jetzt den Verkauf des Hauses Obermeyer. Neuer Eigentümer wird ein Bad Salzufler Kneiper.

Der einzige Überlebende der Familie John Obermeyer war entsetzt: In einem Brief an den Rat schrieb er, dass er „mit großer Bestürzung“ von dem geplanten Verkauf erfahren habe. Er schloss „ein würdiges Gedenken an die jüdische Geschichte dieses Hauses“ bei dem Betrieb einer Gaststätte aus.
Der Ratsmehrheit aus CDU und SPD focht das aber nicht an.

Im Jahre 1981 hatte die Bad Salzufler DKP aufgedeckt, dass nach dem Krieg am Ort der in der Reichspogromnacht 1938 von den Nazis zerstörten jüdischen Synagoge in der Mauerstraße ein Parkplatz gebaut worden war.
Viele dachten damals, dass eine solche Verhöhnung der jüdischen Opfer des Faschismus beispiellos sei.

Wie man sieht, ein Irrtum:
Der Verkauf des Obermeyerschen Hauses an einen Kneiper steht dem in nichts nach!
Bad Salzufler Tradition eben.


Quellen:
(1) Franz Meyer: Bad Salzuflen - Epochen der Stadtgeschichte


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