Berichte / Veranstaltungen


Sieben Krisen – Ein Crash

Welcher Weg führt aus der Krise?

KS – 07.06.2010

Rückblick auf die Veranstaltung mit Winfried Wolf




Was könnte ein Ausweg aus dem Crash, der tiefen Krise des Weltwirtschaftssystems, sein? Dr. Winfried Wolf, Autor des Buches mit dem Titel "Sieben Krisen - ein Crash", referierte vor über 50 interessierten Zuhörern am 26.05.2010 in der Detmolder Schloßwache zu dem Thema "Sieben Krisen – Ein Crash. Von der Wirtschaftskrise zur Staaten- und Eurokrise? - Welche Alternativen gibt es?"

Dr. Winfried Wolf schlägt ein alternatives Investitionsprogramm in die Bereiche Kinder-Kultur-Klima vor, eingebunden in ein Programm zur Umgestaltung und Neuausrichtung der Wirtschaft.

Dieses würde sich innerhalb weniger Jahre komplett gegenfinanzieren. Dem Argument, Geld sei nicht da, die Verschuldung der öffentlichen Hand sei bereits hoch genug und die Schulden seien mit Blick auf spätere Generationen unverantwortlich, hält er entgegen, plötzlich subventionierten die führenden Industriestaaten bis zu fünf Billionen Euro in einen privaten und privat bleibenden Bankensektor, der dieses Geld als neues Spielgeld einsetzen werde und damit neue katastrophale Krisen auslösen könne. Die Behauptung von der Ohnmacht des Staates gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung sei im bisherigen Verlauf der Krise widerlegt worden.
Er warnt vor einer Sparpolitik wie in der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts.

Wolf geht von derzeit sieben Krisen aus, die sich zu einer großen historischen Krise bündeln.
Zentral ist für Wolf die Krise der materiellen Produktion und die Krise in den zwei Schlüsselindustrien Auto- und IT-Branche. Sodann gibt es die soziale Krise mit der extrem ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung. Diese wiederum trägt in bedeutendem Maße zum spekulativen Fieber bei. Das mündet in der vielseitig beschriebenen Finanzkrise, die mit der de facto-Pleite des gesamten weltweiten Finanzsektors eine neue Dimension in der Geschichte des Kapitalismus erreicht. Die Globalisierung der letzten zwei Jahrzehnte trägt des weiteren maßgeblich zu einer wachsenden Nord-Süd-Kluft, und aktuell zu einer Hungerkrise bei.
Des weiteren gibt es eine Umwelt- und Klimakrise. Das Ende der spezifischen stofflichen Grundlagen der derzeitigen weltweiten Form des Wirtschaftens, der fossilen Energieträger, sei absehbar und ist erstmals in der Geschichte menschlicher Produktion ein maßgeblicher – und möglicherweise entscheidender – Krisenfaktor.
Schließlich erleben wir eine ?Hegemonie-Krise? - oder auch die Dollar-Krise. Sie erinnert an vorausgegangene historische Krisen, die im 18. Jahrhundert zur Ablösung der niederländischen Hegemonie und Anfang des 20. Jahrhunderts zum Niedergang des britischen Empires  - und seiner Ablösung durch die noch heute anhaltende US-Hegemonie – führten.

Diese miteinander verflochtenen Krisenebenen erleben derzeit eine neue Zuspitzung – in Form von Staatenkrisen, zunächst mit der Krise in Griechenland, in absehbarer Zeit anderer Staatskrisen und mit einer Krise des Euro. Die verschiedenen Krisenebenen der tiefen historischen Krise des derzeitigen Wirtschaftssystems, in dem das Kapital und der Profit im Vordergrund stehen, verdeutlichte der Autor an Beispielen und mit Zitaten.

Für Dr. Winfried Wolf gibt es nur eine überzeugende Antwort auf die neue historische Krise des Kapitalismus: die Durchsetzung einer neuen Gesellschaftsordnung, in der der Mensch, die Umwelt und das Klima und nicht das Kapital, die Ausbeutung und der Profit im Mittelpunkt stehen.

Winfried Wolf  ist Chefredakteur von Lunapark21 – Zeitschrift der Kritik der globalen Ökonomie und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac. Das Ende 2009 erschienene Buch von Winfried Wolf trägt den Titel: Sieben Krisen - ein Crash, und ist im Buchhandel für 17 Euro 90 erhältlich.



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