Berichte / Kirchenasyl


Pressemitteilung der Flüchlingshilfe Lippe

Kirchengemeinde Detmold-Ost
gewährt Frau I. Kirchenasyl


Frank Gockel - 07.05.2010

Tschetschenin sollte in Abschiebehaft genommen werden



Detmold - Nach einer zweijährigen Fluchtodyssee und mehreren Suizidversuchen von Frau I. plante die Ausländerbehörde Detmold heute, eine tschetschenische Frau in Abschiebehaft zu nehmen. Die Kirchengemeinde Detmold Ost hat daraufhin beschlossen, Frau I. Kirchenasyl zu gewähren.

Zwei Jahre befinden sich Frau I. und ihr zehnjähriger Sohn schon auf der Flucht. Sie wollen bei der Tochter von Frau I., die in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis hat, leben. Die Flucht hat zu einer schweren, psychischen Erkrankung bei Frau I. geführt. Immer wieder hat sie suizidale Gedanken.

Nachdem Frau I. im November notfallmäßig in der geschlossenen Abteilung einer Detmolder Psychiatrie untergebracht werden musste, unternahm die Ausländerbehörde der Stadt Detmold einen ersten Versuch, Frau I in Abschiebehaft zu nehmen. Die richterliche Anhörung in der Psychiatrie belastete sie jedoch so stark, dass sie noch am selben Tag einen Suizidversuch unternommen hatte.

Die Flüchtlingshilfe Lippe e.V. hat zahlreiche Bemühungen unternommen, die Stadt Detmold davon zu überzeugen, Frau I. nicht abzuschieben. Unter anderem wurde auch der Landespetitionsausschuss eingeschaltet. Sigrid Beer (Bündnis 90/Die Grünen), stellvertretende Vorsitzende vom Petitionsausschuss hatte nach zwei Anhörungsterminen des Petitionsausschusses mit den Vertretern der Stadt Detmold dringend empfohlen, von der Abschiebehaft abzusehen.

Frau I. hat am 13.4.2010 erneut einen Suizidversuch unternommen. Seitdem befand sie sich wieder in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie. Dort sollte sie auf ärztlichen Rat auch noch länger bleiben. Die Ausländerbehörde stellte dennoch erneut einen Haftantrag. Das Amtsgericht Detmold ordnete eine Untersuchung von Frau I an. Das Gesundheitsamt empfahl eine Anhörung in der Psychiatrie durchzuführen, da eine psychische Dekompensation nicht auszuschließen sei. Trotz dieser Empfehlung lud das Amtsgericht Detmold Frau I. heute zu einem Anhörungstermin in eine Haftzelle(!) des Gerichts.

Da durch die Anhörung der Gesundheitszustand von Frau I. massiv gefährdet war, hat sich die ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-Ost entschlossen, Frau I ins Kirchenasyl aufzunehmen. Frau I. befindet sich dort seit 9:00 Uhr.

Als Frau I. nicht beim Amtsgericht erschienen war, ordnete der Richter die zwangsweise Vorführung an. Es stand zu befürchten, dass Frau I. mit Hilfe der Polizei zwangsweise aus dem Kirchenasyl geholt werden sollte. Durch Intervention von Frau Beer beim Innen- und Justizministerium lenkte die Ausländerbehörde schließlich ein und nahm den Haftantrag zurück. Ein gewaltsames Eindringen von Behörden in kirchliche Einrichtungen konnte so im letzten Moment verhindert werden.

"Wir erwarten, dass die Stadt Detmold das Kirchenasyl duldet und so Frau I. die Möglichkeit gibt, etwas zur Ruhe zu kommen", sagte Dieter Bökemeier, Pastor der Gemeinde und Flüchtlingsbeauftragter der Lippischen Landeskirche. "Ich sehe keine andere humanitäre Lösung, als dass sie hier in Deutschland bleibt."

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