Berichte / Neonazismus


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PRO-NRW auf Tour:
Die Kreuzritter der Kokosnuss 


Antifa-west - 04.05.2010

Antifaschisten bereiten den Rechtspopulisten
in Minden, Bad Salzuflen, Bielefeld und Gütersloh
ein Fiasko


Den "Kreuzzug für das Abendland", so steht es auf dem "Tourbus" von PRO-NRW, wollte diese am 3.5.2010 mit einer Tour durch die ostwestfälischen Städte Minden, Bad Salzuflen, Bielefeld und Gütersloh beginnen. Es wurde ein Desaster: Fast keine Interessenten oder Anhänger, auf Grund von Gegenaktivitäten verlegte Kundgebungsplätze und ein Busfahrer, der die Nerven verlor.

Am Anfang lief es noch halbwegs...
Den Auftakt machte Pro-NRW gegen 10:00 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz von Minden. Jörg Uckermann, Manfred Wiemer und Patrik Brinkmann waren mit dem extra in Belgien mit PRO-paganda beklebten Wahlkampfbus gekommen. Unterstützt wurden Sie von dem PRO-NRW Bezirksvorsitzenden Thomas Borgartz und dem von den REPs übergelaufenen Mindener Kreistagsabgeordneten Ulrich Manes.

Auf Grund der lautstarken Proteste von ca. 100 AntifaschistInnen war jedoch von den Reden von Uckermann, Brinkmann und Manes kaum etwas zu verstehen. Außer den ca. 12 im Bus und zwei weiteren Begleitfahrzeugen mit angereisten PROlern nahm kaum jemand von PRO Notiz, nur eine Handvoll Bürger ließen sich überhaupt Flugblätter in die Hand drücken und auf ein Gespräch ein. Nach einer knappen Stunde bauten die PRO-Aktivisten ihren Infotisch und den bei diesem Wetter sowieso überflüssigen Sonnenschirm wieder ab und zogen weiter nach Bad Salzuflen.

Schwach angefangen und stark nachgelassen
Waren die Kontakte mit der Bevölkerung, nicht zuletzt auf Grund der antifaschistischen Proteste schon in Minden sehr gering, so sanken diese auf der zweiten Station der Tour in Bad Salzuflen nahezu auf Null.

Auch hier, wo PRO-NRW mit einem Platz am Rande der Fußgängerzone vorlieb nehmen musste, waren viele Menschen gekommen, um lautstark gegen die PRO-NRW-Propaganda zu protestieren. Nach einigen Reden beschwerten die PRO-NRWler sich, dass sie durch die lautstarken Proteste an der Ausübung des Demonstrationsrecht behindert würden. Die Polizei drohte daraufhin an, dass sie den Platz vor der Kundgebung räumen lassen würde. Die Aktivisten von PRO waren jedoch schon zu diesem Zeitpunkt so entnervt, dass sie wenige Minuten später ihre sieben Sachen packten und ihrerseits den Platz räumten, längst bevor die Polizei ihre Drohung umsetzen konnte.

"Hier sind sie nicht"
Für 15:00 Uhr hatte Pro-NRW eine Kundgebung auf dem Jahnplatz, einem der zentralen Plätze in der Bielefelder Innenstadt angekündigt. Dort hatten sich ab dem frühen Nachmittag mehrere Hundert Personen versammelt, die darauf warteten, Pro-NRW ihre Meinung zu geigen, oder besser zu trillern.
Immer wieder griffen die Wartenden jedoch zum Telephon und immer wieder hörte man, wie sie ihren FreundInnen oder KollegInnen sagten "Hier sind sie nicht". Auch die zwei oder drei mutmaßlichen Pro-NRW-Anhänger, welchen den Jahnplatz umstrichen, wussten nicht, dass PRO-NRW seine Route geändert hatte und auf Grund der auf dem Jahnplatz zu erwartenden starken Proteste in den Bielefelder Stadtteil Brackwede ausgewichen war.

Diese Wahl erwies sich jedoch ebenfalls nicht als gute Alternative. Obwohl dieses Ausweichen schon vorher klammheimlich organisiert worden war, waren auch hier ca. 150-200 AntifaschistInnen vor Ort, um Pro-NRW angemessen zu begrüßen. Gerade unter den vielen Anwesenden muslimischen Glaubens war die Stimmung aufgeheizt, hatte die anti-muslimische Hetze a la PRO-NRW/NPD doch erst zwei Tage vorher ihre Wirkung entfaltet: Eine nahe gelegene Moschee wurde mit Hakenkreuzen beschmiert.
Die Stimmung war aufgeheizt, der Protest laut und vereinzelt flogen auch Eier in Richtung der PRO-NRW-Redner und ihrer Fahrzeuge. Die Polizei nahm eine Reihe von Personen in Gewahrsam, wobei sie teilweise Schlagstöcke einsetzten. Die Botschaften von PRO-NRW und des andauerend die Bibel schwenkenden Brinkmanns gingen in dem lautstarken Protest vollkommen unter. Anhänger oder Sympathisanten, welche sich als solche zu erkennen gaben, wurden nicht gesichtet.

Ein lebensgefährdender Busfahrer
Vierte und letzte Station des Tages war Gütersloh.
In der knapp unter 100.000 Bürger zählenden Stadt waren keine Proteste angekündigt worden; der zentrale Berliner Platz machte beim Eintreffen der PRO-NRW Fahrzeuge einen beschaulichen Eindruck. Dieser täuschte jedoch, die PROler hatten den Bus noch nicht verlassen, als sich eine größere Zahl von AntifaschistInnen protestierend um diesen scharten, Parolen riefen und Aufkleber auf die Windschutzscheibe des Busses klebten. Der Busfahrer von PRO-NRW verlor daraufhin sofort die Nerven und fuhr, ohne Rücksicht auf die vor dem Bus stehenden ProtestiererInnen mit Vollgas los. Nur durch Glück wurde niemand von diesen und auch keine Passanten in der Fußgängerzone vom Bus überrollt. Eine Stelltafel der Partei Die Linke wurde jedoch niedergewalzt.

Die Polizei trat erst nach dem Vorfall in größerer Zahl in Erscheinung und profilierte sich mit einigen Festnahmen. Dass der Busfahrer bei seiner Aktion Menschenleben gefährdet hat, schien diese hingegen nicht zu interessieren, denn der Busfahrer durfte das Fahrzeug auch weiterhin lenken. Allerdings war der "Kundgebung" von PRO-NRW mit der Panikfahrt des Busfahrers schon vor ihrem Beginn ein  Ende gesetzt. Bis 18:30 Uhr, dem angekündigtem Ende der Wahlkampfveranstaltung, geschah nichts mehr, dann verließen die restlichen Fahrzeuge von PRO-NRW den Platz. Allerdings nur, um sich einige Minuten später am Dreiecksplatz doch noch zu einer Kundgebung zu formieren.
Hier beklagten Jörg Uckermann und Patrik Brinkmann die "Angriffe" gegen sie und versuchten abermals ihre Hetze zu verbreiten. Allerdings wenig erfolgreich, denn anwesend waren nur zahlreiche Polizisten und zahlreiche AntifaschstInnen. Zugehört haben wohl weder die einen noch die anderen, letztere haben auch hier wieder lautstark ihren Unmut deutlich gemacht. Auch wenn die kurze Kundgebung von PRO-NRW in Gütersloh nicht zu verhindern war: Erfolge sehen anders aus.

Aus dem Takt gekommen?
Die zum Abschuß der vier Kundgebungen von den PRO-NRWlern angestimmte Nationalhymne klang schräg und kraftlos. Auch wenn PRO-NRW wie üblich sich auch diesen Tag wieder zu einem Erfolg schönreden wird, haben sie sich ihn bestimmt anders vorgestellt. Im Rahmen der Gegenmobilisierung  haben sich viele Menschen mit PRO-NRW beschäftigt und sind über extrem rechten Hintergrund der Partei aufgeklärt worden. Viele haben sich an den Gegenaktivitäten beteiligt und die Erfahrung gemacht, dass man sich wehren und etwas verändern kann. Hoffen wir, dass der erste Tourtag PRO-NRW etwas aus dem Takt gebracht hat, und dass sie in den folgenden Tagen endgültig ins Stolpern kommen und straucheln.

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