Berichte / Rechtsradikalismus


Von 1975 bis 1977
Leiter der psychosomatischen Abteilung
der Burggrabenklinik in Bad Salzuflen

Dr. Max Otto Bruker:
Wer war der "Ernährungspapst" wirklich?

T2 - 06.09.2009

Bruker klagte gegen Jutta Ditfurth


Der Name „Dr.Bruker“ ist weltbekannt: Er steht für eine Ernährungsweise, die als „vitalstoffreiche Vollwertkost“ weitgehend naturbelassene Lebensmittel bevorzugt. Vor allem der Konsum von Fabrikzucker und Auszugsmehl wird für viele Zivilisationskrankheiten verantwortlich gemacht. In seinen Büchern kritisierte Bruker die Zuckerindustrie heftig, die sich auf Grund ihrer Wirtschaftsinteressen einer Volksaufklärung auch mit politischem Einfluss widersetze [1].

Der 2001 gestorbene Bruker gehörte auch zu den Atomkraftgegnern. Neben falscher Ernährung sah er Umweltbedingungen und radioaktive Belastung als Ursache von Krankheiten wie Krebs. Dieser heute unumstrittene Zusammenhang wurde in den 70iger Jahren von der Atomlobby und den politischen Parteien geleugnet und führte über die Anti-Atomkraftbewegung zur Gründung der Grünen, der Bruker anfangs auch angehörte.

In Bad Salzuflen lebte Bruker von 1975 bis 1977: Er leitete die Psychosomatische Abteilung der Burggrabenklinik (gehört heute zu den Median-Kliniken). Zuvor war er von 1946 bis 1974 ärztlicher Leiter der Krankenanstalten Eben-Ezer in Lemgo.

Man sollte meinen, Bad Salzuflen müsste das Andenken an diesen Mann hochhalten.

Wenn da nicht die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth genauer recherchiert hätte:
Die Mitbegründerin der heutigen „Ökologischen Linken“ wies nach, dass Bruker während seiner Zeit bei den Grünen eine Strategie der Annäherung an die NPD betrieben hatte. Nach heftigen Kontroversen innerhalb der Partei führte dies zu seinem Ausscheiden [2]. Später wurde bekannt, dass Bruker im Nationalsozialismus Mitglied in der SA gewesen war.

Von 1971 bis 1974 und 1982 war Bruker Präsident der deutschen Sektion des „Weltbundes zum Schutz des Lebens“ in Vlotho, die vom ehemaligen Euthanasiearzt Dr. Walter Gmelin gegründet worden war [4].

Formulierungen des Grundsatzprogramms sind teilweise rechtsextreme Esoterik:
"Der Verein wirkt für Erneuerung und Vertiefung des Lebens im Sinne der ewigen sittlichen Werte und der natürlichen Lebensordnung, gegen Überheblichkeit, Profitgier und Machtwahn, gegen die Mächte der Unordnung, Entartung, Ausbeutung und des Untergangs." Gefahren der Atomenergie werden in den "unabsehbaren Folgen der Radioaktivität auf das Erbgut der Deutschen" gesehen.[3]

Der Gründer des im Mai 2008 verbotenen ebenfalls in Vlotho ansässigen „Collegium Humanum“ Werner Georg Haverbeck war von 1974 bis 1982 Präsident des Weltbundes.
Der überzeugte Nationalsozialist hatte im „3.Reich“ die kulturpolitische Abteilung der NSDAP mit aufgebaut und den nationalsozialistischen Studentenbund mit gegründet.
Seine politische Gesinnung hatte sich Zeit seines Lebens nicht geändert. Zusammen mit seiner Frau Haverbeck-Wetzel machte er das Collegium Humanum zu einem Zentrum für Antisemitismus und Holocaustleugnung. Faschisten wie der inzwischen wegen Volksverhetzung inhaftierte Horst Mahler gingen dort aus und ein.
Dass Haverbeck von 1973 bis 1979 eine Professur für angewandte Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Bielefeld hatte, passt in das Bild des damaligen Jahrzehnts: Es war die Zeit der Berufsverbote, mit denen Linke belegt wurden, wenn sie Lehrer werden wollten. Diese Politik wurde von der regierenden Parteien CDU, SPD und FDP gleichermaßen betrieben.

Jutta Ditfurth konnte nachweisen, dass der Weltbund in den 70iger Jahren enge Beziehungen zu der „Deutschen Gesellschaft für Erbgesundheitspflege“ hatte. Der Vorsitzende dieser Gesellschaft war der Rechtsanwalt Jürgen Rieger, der heutige NPD-Vorsitzenden von Hamburg. Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat er gegenwärtig dadurch erreicht, dass er nicht nur in Deutschland enorm viele Immobilien kauft, die er als Schulungsstätten für Neonazis nutzen will.

Bruker wollte von diesen Beziehungen angeblich nichts gewusst haben und klagte gegen die Veröffentlichungen von Jutta Ditfurth. Er verlor 1996 diesen Prozess letztinstanzlich in 24 von 25 Punkten. Bruker musste es sich laut Urteil des OLG Frankfurt gefallen lassen, „als Scharnierstelle zwischen Ökologie und Naturkostbewegung auf der einen Seite und Neonaziszene auf der anderen Seite bezeichnet zu werden.“[1]

Peinlich war dieses Urteil auch die Schauspielerin Barbara Rütting, die sich während dieser Zeit kritiklos hinter Bruker gestellt hatte [2]. Trotzdem wurde sie von der Grünen Partei 2003 für den bayrischen Landtag aufgestellt, dem sie dann auch 6 Jahre angehörte.


Bad Salzuflen sollte sich im Andenken an Bruker auf sein Rezept für Frischkornmüsli konzentrieren. Das ist wirklich gut!

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Literatur:

[1] M.O.Bruker: „Unsere Nahrung – unser Schicksal“ bioverlag 1982
[2] Jutta Ditfurth: „Entspannt in die Barbarei“ -Konkret Verlag 2003
[3] Marcel Raschke: „Rechte Esoterik und esoterische Rechte“
-> http://www.gruene-jugend.de/aktuelles/rechtsextrem/66846.html
[4] apabiz: „profil: Weltbund zu Schutz des Lebens“
-> http://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/WSL.htm

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