Berichte / Wahlen

Plakat der Detmolder Alternative

Kommunalwahl am 30. August 2009

"Geh wählen!"


KS - 24.08.2009

Interview mit Volker Wiemann
von der "Detmolder Alternative-Opposition von unten"



Der "Salzekurier" sprach mit dem Ratsmitglied der "Detmolder Alternative-Opposition von unten" Volker Wiemann

Ihr seid zum ersten Mal bei der Kommunalwahl in NRW 2004 angetreten. Warum habt Ihr Euch gegründet?

Die DA hat sich gegründet aus der bundesweiten Bewegung gegen die Hartzgesetze; im Detmolder „Sozialen Bündnis“ gab es 2004 einige Interessierte, die vor Ort den Menschen, die von Hartz IV. betroffen sind, helfen, das heißt, ihnen das Leben erleichtern wollten.

Warum stellt sich die Detmolder Alternative dieses Mal zur Wahl? Was bewegt Euch dazu?

Die DA hat in den vergangenen fünf Jahren einiges erreicht – siehe dazu auch die Homepage www.detmolderalternative.de – Erwähnt werden soll hier die Einführung eines Sozialtickets für Busse (Menschen mit wenig Einkommen können billiger Bus fahren! und die Lehrmittelfreiheit für Wenigverdiener. Außerdem haben wir uns mit Erfolg in das Engagement für den Frieden und gegen Nazis – Verbot der HDJ! – eingebracht.

Warum kandidiert Ihr als Wählerinnen- und Wählerinitiative – und nicht als "Partei"?

Viele von uns und unseren WählerInnen haben mit Parteien schlechte Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel haben SPD und Bündnis 90/Die Grünen Hartz IV. eingeführt und sich an einem Angriffskrieg (Kosovokrieg) beteiligt. Wir haben darum von Parteien und ihren Versprechungen vor Wahlen, die oft nicht gehalten werden, genug! Eine Initiative ist offener für Menschen mit neuen Ideen und kann oft auch basisdemokratischer arbeiten.

Warum kandidiert niemand von Euch als Bürgermeisterkandidat?

Wir haben länger darüber diskutiert, ob wir den WählerInnen eine echte Alternative auch für das Bürgermeisteramt anbieten wollen. Da wir aber im Namenszusatz – Opposition von unten – heißen, wäre es erklärungsbedürftig, warum wir dann auch einen Bürgermeister stellen wollen. Realistisch betrachtet hätte der – oder diejenige aber auch nur wenig Chancen als BürgermeisterIn gewählt zu werden.

Das Wort "Politik" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "die öffentlichen Angelegenheiten". Wie stellt Ihr Euch die Einmischung in die öffentlichen Angelegenheiten vor?

Am liebsten wäre uns ein größeres Interesse der Bevölkerung. Doch das ist eher selten. In den zurückliegenden fünf Jahren gab es das vielleicht nur bei der Diskussion um das Einkaufszentrum Lustgarten, das wir ablehnen, weil es für weitere Leerstände in der Innenstadt sorgen würde, und beim Thema Aktivitäten von Neonazis. Wir haben uns eingemischt mit Redebeiträgen im Rat, mit Presseartikeln, mit Anträgen, mit der Unterstützung des Bürgerbegehrens zum Thema Lustgarten sowie mit Infoveranstaltungen und Demonstrationen zum Thema Neonazismus. Alles nach zu lesen auf der Homepage www.detmolderalternative.de!

Warum nennt Ihr Euch "Opposition von unten"? Was bedeutet für Euch "Opposition von unten"?

Für uns bedeutet das, dass die Menschen, die von der Politik betroffen sind, nicht nur mitreden, sondern auch mit entscheiden sollen. Leider sehen das die anderen Parteien anders, so dass alle unsere Anträge - dies zu ändern – abgelehnt wurden. Die Parteien sagen, wir sind für fünf Jahre gewählt, also können wir jetzt fünf Jahre das machen, was uns gefällt. Wenn sich mehr Menschen um ihre Angelegenheiten vor Ort kümmern würden, hätten es die Politiker nicht so einfach, das so durch zu ziehen! Wenn viele Menschen gegen eine solche – in unseren Augen - falsch verstandene Demokratie der Parteien etwas tun würden, wäre das eine echte Opposition von unten!

Wodurch unterscheidet Ihr Euch von den anderen kandidierenden Organisationen: CDU, FDP, SPD, Bündnis 90/Die Grünen?

CDU und FDP sehen in erster Linie die Interessen der Wirtschaft; sie setzen sich vehement für das Einkaufszentrum Lustgarten ein; dabei kommen unserer Ansicht nach die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung zu kurz!

SPD und Grüne engagieren sich zu wenig für Menschen mit wenig Einkommen.Das heißt, im Prinzip wird diese große Bevölkerungsgruppe von allen anderen Parteien „vergessen“.

Warum stellt Ihr Euch zur Wahl, wenn auch die Partei, die sich „DIE LINKE.“ nennt, kandidiert?

Die Partei "Die Linke." in Detmold hat bisher noch fast nichts von sich gezeigt. Das heißt, wir wissen eigentlich nicht, was sie für eine Politik machen wollen. Fakt ist leider, dass, wenn sie mitregieren oder regierten wie in Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern sie kaum eine andere Politik machen als die SPD. Zum Beispiel bedeutet das Privatisierung von städtischen Gesellschaften (Stadtwerke, Müllabfuhr ….) und Kürzungen im sozialen Bereich sowie im Bildungsbereich (bei Schulen, Kindergärten …).

Was sind Eure drei zentralen Ziele?

1. Verbesserung des Lebens für Menschen mit wenig Einkommen z.B. günstiges Sozialticket, freie Eintritte in Museen, Theater, Freibäder, ….Beratungsstelle für Einkommensschwache.

2. Engagement für den Frieden: Ja zum Nationalpark Senne! Für eine friedliche Senne! Und Engagement gegen Neonazismus!

3.Mehr Informationen und Beteiligung für Alle!

Was sind Eure wichtigsten negativen und positiven Erfahrungen in der kommunalpolitischen Praxis?

Negativ war die anfängliche Ausgrenzung unseres Ratsmitgliedes durch die anderen Parteien. Dies legte sich erst, als die Lippischen Landes-Zeitung titelte: Mobbing im Rat. Negativ ist auch zu erfahren, wie wenig demokratisch zur Zeit diese Politik für die Menschen hier abläuft: Sie werden nicht gefragt und können nicht mit entscheiden. – Das ist sehr bedenklich. Und darum ist es auch nicht verwunderlich, dass immer weniger Menschen zur Wahl gehen.

Positiv waren die Dinge, die wir erreicht haben wie Sozialticket, Lehrmittelfreiheit für Wenigverdiener, Resolution gegen Neonazismus, die Unterstützung gegen den „Lustgarten“ aus der Bevölkerung und der Spaß, den es gemacht hat, viele nette Leute kennen zu lernen und mit denen gemeinsam für etwas sinnvolles zu streiten.

Wir danken für das Gespräch mit uns.




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