Berichte / Rechtsradikalismus


Biermann ohne Kreide

Bad Salzufler Ratsherr
verharmlost Holocaust

T2 - 10.08.2009

Staatsanwaltschaft leitet
Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung ein


Es ist als Satire getarnt: In der seit Jahren von Friedrich Wilhelm Biermann herausgegebenen Zeitung "Volkstribun" (Ausgabe 2009) führt die "Bürgerinitiative Zukunft" (BIZ), mit der Biermann an der Kommunalwahl teilnehmen will, ein fiktives Interview mit Hitler. Es ist mehr als Sympathie, die hier der Person Hitlers entgegengebracht wird.

Hatte Biermann im Juni 2005 im damaligen Volkstribun eine Bewertung seiner kommunalpolitischen Arbeit mit "Mein Kampf" überschrieben, den er damals angeblich "für mehr Demokratie, mehr Gleichheit, ..." usw. geführt haben will, so wird die Identifikation mit dem "Führer" jetzt auch politisch: Es liegt nahe, dass die fiktiven Zitate Hitlers die Ansichten Biermanns wiedergeben, die ähnlich von der gewaltbereiten Szene der rechtsextremen autonomen Nationalisten und Freien Kameradschaften vertreten werden:
Hitlers Motive wären ehrenhaft, er wollte den Menschen Frieden und Wohlstand bringen, heißt es im Interview. Die Sprechchöre der heutigen Neonazis lauten: "Nie wieder Krieg - nach unserem Sieg".

Die Staatsanwaltschaft Detmold hat ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet.

Zur Vorgeschichte
Biermann war auf der offenen Liste der PDS in den Rat gelangt. Seine wirkliche Gesinnung und seine politische Vergangenheit hatte er verschwiegen. Er kandidierte u.a. 2002 schon für die rechtsradikalen Republikaner in München.

Obwohl seine Vergangenheit und seine fremdenfeindlichen und antisemitischen Ansichten in den nächsten Monaten aufgedeckt wurden, wurde er von allen Rathausparteien bis auf eine Ausnahme politisch und zum Teil auch persönlich akzeptiert. Die Ausnahme machten die Grünen, die ihn konsequent mieden und nicht mit ihm redeten.
Wenn seine Stimme bei Beschlüssen des Rats entscheidend war, wurde er umworben und hofiert.

Es gibt Anzeichen dafür, dass er damals auch zu jetzt führenden Politikern der Bad Salzufler Linken Kontakt hielt.

Auf Ratssitzungen wurde er von vielen Mitgliedern quer durch alle Parteien herzlich begrüßt. Den Antifaschisten, die im Mai 2007 mit Transparenten gegen ihn protestierten, wurden dagegen offene Aggression entgegengebracht.
Dieses Verhalten änderte sich erst ein wenig, als Biermann wegen einer sexistischen Attacke gegen eine FWG-Ratsfrau vom Rat gerügt wurde und er seine Situation mit der eines Juden in den 1930er Jahren verglich.

Biermanns Rechtsradikalismus wurde aber trotzdem nicht konsequent entgegengetreten. "Biermann ist ein Opportunist und Populist erster Güte. Politische Standpunkte sind ihm schnuppe", schrieb der jetzige Spitzenkandidat der Linken Matthias Obenhaus in einem Kommentar im Dezember 2007.
Eine merkwürdige Fehleinschätzung.

Vielleicht ist Biermanns Denkweise in Bad Salzuflen verbreiteter als man glaubt.

____________________________________________________________________________

Siehe auch:


Kulturinitiative Detmold 18.08.2009
-> "Biermann kein Einzeltäter - Kulturinitiative unterstützt Protest gegen 'BIZ'"


Kulturinitiative Detmold 08.08.2009
-> NS-Verherrlichung stoppen - Aufruf zum Protest gegen die "Bürgerinitiative Zukunft"

Die Grünen Bad Salzuflen (Presseerklärung)
-> Grüne entsetzt über rechtsradikale Propaganda von Ratsmitglied Biermann

Salzekurier 29.10.2008
-> "Potenzieller Mehrheitsbeschaffer" in Bad Salzuflen: Antisemit führt Kommunalpolitik vor


Creative Commons License


Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Salzekurier Über Salzekurier | Privacy Policy | Kontakt | ©2009 Salzekurier