Berichte / Arbeitskämpfe


Alexander Spernau 2007:

"Mein Herz für Heilung schlägt natürlich ganz groß,..."


T2 - 07.07.2009

Chef der bestreikten lippischen Nervenklinik redete damals Klartext



"Mein Herz für Heilung schlägt natürlich ganz groß," aber "Medizin ist ein Produkt, das einen Preis hat". Womit mal wieder bewiesen wäre, dass die deutsche Sprache nicht nur für Einwanderer schwierig ist. (Weder schlägt ein Herz groß noch ist Medizin ein Produkt.)

Es sei so, dass "nur wirtschaftliche Unternehmen(..) nur dann nachhaltig bestehen können(...), wenn sie eben wirtschaftlich sind. Medizin ohne Wirtschaftlichkeit ist nicht zukunftsfähig."

Abgesehen von den merkwürdigen Formulierungen meinte der geschäftsführende Gesellschafter der lippischen Nervenklinik in Bad Salzuflen diese knallharten Sätze ernst. Zu hören waren sie in einem Interview mit Radio Lippe 2007 in der Sendung "talk im Treff".

Nach der damals formulierten Maxime handelt Alexander Spernau heute:
Die Gewerkschaft ver.di wirft ihm vor, dass die Arbeitsbedingungen für viele deutlich verschlechtert wurden, seitdem der gelernte Kaufmann die Klinik 1993 von seinem Großvater erbte. So soll Personal abgebaut, deutlich geringere Löhne für neue Mitarbeiter gezahlt und zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse eingeführt worden sein. Der daraufhin gegründete Betriebsrat sei von der Geschäftsführung massiv bekämpft worden.

Nun schon seit dem 30.April streiken die Mitarbeiter unbefristet für einen Haustarifvertrag, da sich Spernau nicht an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst hält.
Alexander Spernau ist noch nicht einmal zu Gesprächen bereit!

Als er 2007 im Interview mit Radio Lippe nach seiner persönlichen Standortbestimmung "im Spektrum zwischen dem Porsche-Sammeln, der Begeisterung für den Patienten, dem Spaß am Unternehmerdasein und der wahnsinnigen Sehnsucht nach dem Golfplatz" gefragt wurde, da ist für den ehemaligen Investmentbanker die Sache klar: Hobbys wie Porsche-Sammeln und Golfspielen sind nicht so wichtig, der Spaß am Unternehmerdasein ist entscheidend. "Neue Wege gehen", "aktiv gestalten", waren seine Vorstellungen.

Heute scheint es so, als befürchte er nicht, dass der Ruf der Klinik unter dem mittlerweile bundesweit bekannten Streik leidet.

Über die Hintergründe kann man nur mutmaßen:

- Vielleicht ist er der Meinung, dass die Zeiten vorbei sind, in denen sich ein Scheich aus den Emiraten zur Behandlung in Bad Salzuflen einfand oder der Schlagersänger Gunter Gabriel in der Nervenklinik betreut wurde. Das 1947 vom Facharzt für Psychiatrie Herbert Spernau und seiner Frau gegründete Unternehmen genoss viele Jahrzehnte international hohes Ansehen.

- Es könnte auch sein, dass Alexander Spernau durch den Streik keine Umsatzeinbußen befürchtet: Die Klinik ist im Auftrag des Kreises Lippe in die psychiatrische Pflichtversorgung eingebunden. Die Psychologen und Neurologen aus Bad Salzuflen und den umliegenden Städten und Gemeinden überweisen ihre Patienten also vor allem nach Spernau. Falls ein Patient dieses verhindern will, muss er in einer Einrichtung in Detmold oder Herford Aufnahme finden. Das ist aber schwierig, da diese Häuser oft voll belegt sind.
Im Interview mit Radio Lippe beklagte Spernau, dass "unser System sehr stark planwirtschaftlich charakterisiert" sei. Im gegenwärtigen Arbeitskampf scheint er davon zu profitieren.

Die Gewerkschaft ver.di fordert zu Solidaritätserklärungen für die Streikenden und Protestschreiben an den Geschäftsführer und Besitzer der Klinik auf.

Solidaritätsschreiben an die Geschäftsstelle des ver.di Bezirk Herford-Minden-Lippe, in Minden, z. Hd. Koll. Volker Hoppmann, Simeonscarré 2, 32423 Minden.

Protestschreiben an die Geschäftsführung der Lippischen Nervenklinik Dr. Spernau, z. Hd. des Geschäftsführers Herrn Spernau, Waldstr. 2, 32105 Bad Salzuflen.




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