Berichte / Neonazismus

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www.hiergeblieben.de 5.April 2009

Neonazi Marco Siedbürger in Haft genommen

Kulturinitiative Detmold - 04.04.2009

Nach seiner Verurteilung
an einem weiteren Übergriff beteiligt



Detmold/Hannover . Wie die Kulturinitiative Detmold (KID) mitteilt, ist gegen einen am 5. März vom Amtsgericht Detmold verurteilten 27-jährigen Mann am vergangenen Freitag, 3. April, ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Hannover wegen "Wiederholungsgefahr" vollstreckt worden.

Das Amtsgericht Detmold hatte den bekennenden Neonazi Marco Siedbürger wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit versuchter gemeinschaftlicher Körperverletzung und Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Bewährung gab es für den mehrfach vorbestraften Gewalttäter nicht mehr.

In dem Prozess ging es um einen Vorfall im Juli 2008: Zusammen mit zwei vermummten "Kameraden" hatte Siedbürger das Detmolder Kulturzentrum "alte Pauline" betreten. Laut Anklage soll er dann Mitglieder der KID bedroht haben, später schlug und trat er auf einen Mann ein und setzte sogar mit einem mitgebrachten leeren Bierkrug zu Schlägen an. Die vom Personal des Zentrums gerufene Polizei nahm Siedbürger und einen weiteren Neonazi schließlich fest.

Keine positive Sozialprognose
Siedbürger, so die Richterin, könne keine positive Sozialprognose vorweisen und besäße keinerlei Unrechtsbewusstsein. Dies und seine Vorstrafen, die im Mai 2007 zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe wegen zwei Körperverletzungen, Widerstand gegen Beamte und Sachbeschädigung zusammengefasst worden waren, ließen keine erneute Bewährung zu.

Mit 17 Jahren hatte Siedbürger als junger Skinhead gemeinsam mit einem "Kameraden" in Eschede (Kreis Celle) einen Mann so schwer verletzt, dass dieser qualvoll gestorben war. Beide wurden zu Jugendstrafen von jeweils fünf Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Bei dem Übergriff in Detmold hatte Siedbürger offenbar auf seine Tat in Eschede 1999 angespielt und laut Aussagen im Detmolder Verfahren gesagt, er habe "schon einmal jemanden liegen lassen".

Erneuter Übergriff
Nur 10 Tage später sind in der Nacht zu Sonntag, 15. März 2009, bei einem Angriff aus einer 20-köpfigen Gruppe von Neonazis zwei Jugendliche in Wunstorf (Region Hannover) verletzt worden. Die Behörden ermitteln gegen zwei als Täter Verdächtige wegen gefährlicher Körperverletzung. Einer der beiden vermutlichen Täter war wiederum Marco Siedbürger.

Laut Bericht der Polizeidirektion Hannover vom 15. März hatte die Gruppe von etwa 20 Personen zunächst in einem Jugendzentrum gefeiert. Später zog die Gruppe durch die Stadt und begann einen Streit mit einer 19-Jährigen und einem 21-Jährigen. Eine Polizeistreife wurde auf die beiden Angegriffenen aufmerksam und konnte noch sehen, wie der 21-Jährige getreten wurde. Die Täter flüchteten sofort.

Im Rahmen einer sofort eingeleiteten Fahndung, die auch von Streifenwagen aus der Umgebung von Wunstorf unterstützt wurde, konnte die Polizei Siedbürger festnehmen; der zweite 19-jährige vermutliche Täter ist ebenfalls namentlich bekannt. Die 19-Jährige wurde durch Faustschläge im Gesicht verletzt, der 21-Jährige hatte Reizgas in die Augen gesprüht bekommen. Beide Angegriffenen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Detmold
Siedbürger befand sich nach Angaben der KID auf freiem Fuß, weil das Detmolder Urteil noch nicht rechtskräftig ist, eine Berufungsverhandlung vor dem Landgericht steht noch aus. Auf Grund der bisherigen Ermittlungsergebnisse der erneuten Körperverletzung in Wunstorf ist nun der Haftbefehl erlassen worden. Gegen Siedbürger wurde zuvor in jüngerer Zeit in zahlreichen Fällen unter anderem wegen Gewaltdelikten ermittelt, allerdings wurden viele dieser Ermittlungsverfahren eingestellt.



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