Berichte / Schule - Internet



Klassenkampf im Klassenzimmer

Internetfilter sperrt kommunistische Webseiten


Ab - 14.03.2009

Das Beispiel "Time for kids"



Mittlerweile gibt es kaum noch eine Schule in der BRD, die nicht eine mehr oder weniger komfortable Ausrüstung mit Computern hat. Der Zugang zum Internet ist Standard.
Unabhängig davon, ob es sich um eine Grundschule oder ein Gymnasium handelt, stellt sich das Problem, dass man den Schülerinnen und Schülern den Zugang zu bestimmten Internetseiten nicht unkontrolliert zur Verfügung stellen darf. Gewaltvideos oder Hardcore-Pornographie ist durch wenige Mausklicks erreichbar. Sogenannte Internetfilter versprechen hier Abhilfe. Sie werden als Schulfilter für Netze oder als Einzelfilter für "Zuhause" angeboten.

Der Filter von "Time for kids"
Weit verbreitet ist das Produkt von "Time for kids". Nach deren Angaben nehmen gegenwärtig mehr als 400 Schulen an einem Pilotprojekt teil, in dem die Schulen 6 Monate kostenlos Erfahrungen mit dem System sammeln können. Es gibt mittlerweile nicht nur eine Unmenge von Zeitungs- und Rundfunkberichten, die sich positiv über das Programm äußern. Es sollen deutschlandweit sogar schon "eine Vielzahl von Bundestags- und Landtagsabgeordneten, Oberbürgermeistern und Bürgermeistern, sowie Landräten die Patenschaft für eine Schule vor Ort übernommen haben". (Webseite "Time for kids").
Es würden 95% aller Pornoseiten, 80 % aller Gewaltseiten und 65 % aller Seiten mit extremistischem Inhalt herausgefiltert. Der Filter prüfe täglich vier Millionen Internetseiten auf jugendgefährdende Inhalte und aktualisiere sich selbstständig, sobald der Computer eingeschaltet wird.

Die Rubriken, die gesperrt werden sollen, lassen sich einstellen. Sie können nach Jahrgangsstufen verschieden festgelegt werden. Außerdem können bestimmte Adressen nachträglich einzeln gesperrt oder freigegeben werden. In der Regel wird man aber die Voreinstellung übernehmen. Das Filterprogramm kann so eingerichtet werden, dass im Prinzip jeder Lehrer während des Unterrichts Einstellungen ändern kann. Nur wird vermutlich das System häufig so nicht installiert. In Lippe gibt es eine Reihe Beispiele von Schulen, an denen ein Webfilter nur vom Systembetreuer verändert werden kann.
Für den "Time for kids"-Filter gelten dann die Voreinstellungen, womit zum Beispiel in allen Jahrgangsstufen v.a. neben Pornographie auch in der Rubrik "Kriminelle Aktivitäten" der Unterpunkt "Politisch Extrem / Hass / Diskriminierung" gefiltert wird. Aber diesen Bereich würde ja wohl jeder seinen nicht volljährigen Kindern sperren wollen.

Welche politische Seiten werden dann gefiltert?
Die Folgen sind überraschend: Dass die Seite der NPD und die von "Pro NRW" gesperrt wird, ist zwar auf Grund der Programmatik und der politischen Praxis dieser Parteien nachvollziehbar. Auf deren Webseiten werden aber Aufrufe zu Hass und Diskriminierung vermieden.

Die Seiten von NPD-Kreisen oder "Pro-NRW online" werden denn auch nicht gefiltert, genauso wenig wie "Jugend Pro-NRW" oder "Mittelstand Pro-NRW". Das Sprachrohr der neuen Rechten, die "junge Freiheit" ist ebenso weiterhin aufrufbar.

Dass der Filter unabhängig von "Hass" oder "Diskriminierung" Seiten sperrt, wird dadurch deutlich, dass die Seite der Deutschen Kommunistischen Partei DKP und die ihrer Zeitung UZ gesperrt werden! Die werden wohl als "Politisch Extrem" angesehen.

Es fragt sich, ob es hier um Jugendschutz oder um politische Zensur geht:
Schwer zu glauben, dass die Kombination "Politisch Extrem / Hass / Diskriminierung" in der Rubrik "Kriminelle Aktivitäten" (!!!!) zufällig entstanden ist.



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