Berichte / Rechtsradikalismus


Eines der Idole des Bad Salzufler Ratsherrn
Friedrich Wilhelm Biermann:

Hjalmar Schacht -
Williger Helfer der Nationalsozialisten

KS - 17.02.2009

Einspruch von Hermann Göring:
"Hört doch, wie er lügt."


Am 11.05.2005 hielt Friedrich Wilhelm Biermann seine Haushaltsrede: "[...]Hjalmar Schacht war Reichsbankpräsident vom 1933 bis 1936. 1933 hatten wir eine Arbeitslosigkeit von 30%. 1936 gab es keinen einzigen Arbeitslosen mehr. Jörg Haider ist schwer angefeindet worden als er die Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches als vorbildlich hinstellte. Wir müssen uns fragen, wie hat er es gemacht dieser Hjalmar Schacht? Hjalmar Schacht war im übrigen kein Nazi, wurde problemlos entnazifiziert und ging nach dem Krieg friedlich im englischen Garten spazieren. Ich will es kurz machen: Geld drucken und Wechsel ausstellen, Reichsbankbürgschaften und ein Volk das wieder positiv in die Zukunft schaut. [...] In schlechten Zeiten Steuern runter, das ist das einfache volkwirtschaftliche Geheimnis.[...]"

In einem Interview mit der Lippischen Landeszeitung, abgedruckt am 11.02.2009, wird Friedrich Wilhelm Biermann gefragt: "Herr Biermann, [...] Ihnen wurde in der Vergangenheit nationalsozialistisches Gedankengut und Sexismus unterstellt. [...]" Friedrich Wilhelm Biermann antwortet darauf: "Die Anschuldigungen gehen auf Rufmordkampagnen der Linken und der Freien Wähler zurück. Beispiel Hjalmar Schacht (Anmerkung der Red.: Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister unter Hitler). Ich habe ihn vor drei Jahren zitiert und heute macht Merkel meines Erachtens genau das Gleiche, was er 1933 getan hat: Geld drucken und damit die Konjunktur anheizen. Schacht war kein Mitglied der NSDAP und wurde in Nürnberg freigesprochen." [Bürger im Zorn. DAS INTERVIEW: Friedrich-Wilhelm Biermann und Jürgen Rieder gründen eine Bürgerinitiative. - In: Lippische Landeszeitung vom 11.02.2009, S. 15]

Wer war dieser Hjalmar Schacht wirklich?

Architekt der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik

Hjalmar Schacht war der Architekt der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik und sorgte für den "Aufschwung in den Weltkrieg". Mit seiner Wirtschaftspolitik sicherte er der nationalsozialistischen Bewegung die Macht. Er gehörte zu dem Beraterkreis, der die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik entwarf, und er setzte diese als Reichsbankpräsident von 1933 bis 1939 sowie als Reichwirtschaftsminister von 1935 bis 1937 (kommissarisch ab August 1934) um. Zuvor hatte er die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler gefördert. [Siehe Meyers Grosses Taschenlexikon in 24 Bänden, Band 19 von 1983, Stichwort "Schacht"] Bereits am 19. Februar 1932 (!) hatte sich eine Gruppe von nicht ganz zwei Dutzend Personen aus der deutschen Wirtschaft in der sogenannten "Industrielleneingabe" an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gewandt mit der schriftlichen Bitte, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. An ihrer Spitze: Hjalmar Schacht!

Hitlers williger Helfer bei der Eroberung und Konsolidierung der Macht

Die nationalsozialistische Bewegung, mit dem Führer Adolf Hitler an der Spitze, hatte "Brot und Arbeit" versprochen. Mit Hilfe einer protektionistischen Wirtschaftspolitik und einer Fortführung der bereits 1932 (!) begonnenen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Verbindung mit dem Arbeitsdienst sowie gewaltigen Direktinvestitionen und Steuervorteilen für die Wirtschaft im Wohnungsbau, in der Autoindustrie und im Straßenbau (in diesem schon mit militärisch-strategischer Planung) gelang es bis 1937 dieses Versprechen scheinbar einzulösen. Auf diese Phase der Machtkonsolidierung, zu der Hjalmar Schacht entscheidend beigetragen hatte, folgte die Phase der konkreten Kriegsvorbereitung.
Der Start dazu war auf dem "Reichsparteitag der Ehre" vom September 1936, mit dem die NSDAP die Wiederbesetzung des Rheinlandes, die Heimholung der linksrheinischen Gebiete ins Reich, feierte. Dort wurde der Vierjahresplan präsentiert, mit dem die Wehrmacht so schnell wie möglich kriegsfähig gemacht werden sollte.
Im September 1937 trat Hjalmar Schacht, der auch Generalbevollmächtigter für die Wehrwirtschaft (1935 - 1937) war, als Reichswirtschaftsminister zurück, weil ihm und den Vertretern der rheinischen Schwerindustrie die Eingriffe in die "freie Marktwirtschaft" zu weit gingen und die nationalsozialistische Machtelite von Hermann Göring (Oberbefehlshaber der Luftwaffe von 1935 bis 1945 und Beauftragter für den Vierjahresplan) bis zum Führer kein Ohr mehr für wirtschaftspolitische Grundsatzfragen hatte.
Von 1937 bis 1943 war er Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Am 19. Januar 1939 wurde er von Hitler wegen seiner Kritik an der Rüstungs- und Finanzpolitik aus dem Amt des Reichsbankpräsidenten entlassen. 1943 entließ ihn der Führer aus dem Amt des Reichsministers ohne Geschäftsbereich.

Um die Aufrüstung vor dem Rest der Welt zu verbergen, hatte er ein komplexes, schwer durchschaubares System, mit dem nicht nur Rüstungsaufträge, sondern auch Investitionen für den Arbeitsmarkt am Staatshaushalt vorbei gebucht werden konnten, erfunden. Er gründete eine Scheinfirma, die Metallurgische Forschungsgesellschaft (Mefo). Diese vergab im Auftrag der Regierung Aufträge, die von dieser nicht mit Geld, sondern mit dem sogenannten Mefo-Wechsel bezahlt wurden, einem Schuldschein, der bei der Reichsbank eingelöst werden konnte. So tauchten die Investitionen nur auf der Soll-Seite der Mefo-Bilanz auf. [Siehe dazu Jungclaussen, John F.: Aufschwung in den Weltkrieg. Mit Staatsaufträgen und Buchungstricks manövrierte der Wirtschaftsführer Hjalmar Schacht den NS-Staat aus der Rezession - und ermöglichte die Aufrüstung des "Dritten Reiches". In: Die Zeit - Geschichte, Nr. 4, 2008 mit dem Titel: 1938. Abschied von der Zivilisation, S. 60- 64]

Williger Helfer, Profiteur der Arisierung und Antisemit

Vor 1938 gab es seit 1935 das Reichsbürgergesetz, das den Juden die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannte und das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" (Nürnberger Gesetze). Er befürwortete die gesetzliche Diskriminierung der deutschen Juden und war dafür, sie zu Staatsbürgern minderen Rechts zu erklären. Hjalmar Schacht befürwortete eine Sonderstellung der Juden in Deutschland mit minderem Recht. Bis 1938 gab es für den "Geschäftsbereich von Hjalmar Schacht", die Wirtschaft, keine speziellen Gesetze, die geschaffen wurden, um Juden aus dem Wirtschaftsleben auszugliedern. Aus dieser Tatsache leitete Hjalmar Schacht die Behauptung ab, er habe während seiner Zeit als Reichswirtschaftsminister zwischen April 1934 und November 1937 eine "schützende Hand" über die Juden gehalten. "Das Beispiel Göttingen macht aber deutlich, daß davon im täglichen Leben der betroffenen Menschen nichts zu bemerken war." [Siehe dazu Sommer, Klaus: Es begann mit dem Boykott, Die "Entjudung" der Wirtschaft am Beispiel Göttingens. - In: Die Zeit, Nr. 30/1997 vom 18.01.1997(Besprechung des Buches "Alex Bruns-Wüstefeld: Lohnende Geschäfte. Die "Entjudung" der Wirtschaft am Beispiel Göttingens, Fackelträger Verlag, Hannover 1997), http://www.zeit.de/1997/30/Es_begann_mit_dem_Boykott, gefunden 15.02.2009]

Entgegen der Darstellung von Hjalmar Schacht, Juden "nur "geholfen zu haben, gab es auch gegenteilige Beispiele. So drängte er 1939 gemeinsam mit einem Partner die jüdische Unternehmerin Franziska Heinemann aus ihrer Münchner Kunstgalerie und verdiente in den Folgejahren hohe Summen, alleine im Jahre 1942 418.000 Mark. Die frühere Besitzerin starb als mittellose Einwanderin in New York http://de.wikipedia.org/wiki/Hjalmar_Schacht, gefunden 15.02.2009 (Besprechung zu dem Buch von Kopper, Christopher: Hjalmar Schacht. Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier. - (München und Wien 2006)]

Die Rolle Hjalmar Schachts bewertet der Autor Christopher Kopper in seinem Buch [Kopper, Christopher: Hjalmar Schacht. Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier. - (München und Wien 2006), dort S. 292] so: "Obwohl Schacht die 'Arisierung ' der Galerie Heinemann nicht veranlasst und auch nicht politisch gefördert hatte, war er dennoch mitschuldig. Ohne sein Darlehen wäre es Zinckgraf [seinem Geschäftspartner, d. V.] niemals gelungen, die Galerie zu 'arisieren'.Hjalmar Schacht war das Gegenteil eines ahnunslosen und naiven Teilhabers. Zinckgraf hatte ihn in allen Details darüber informiert, wie der die Vorbesitzerin Mimi Heinemann nach Strich und Faden übervorteilte."

War Hjalmar Schacht Mitglied der NSDAP oder "nur" ein Mitläufer?

Friedrich-Wilhelm Biermann: "Schacht war kein Mitglied der NSDAP und wurde in Nürnberg freigesprochen." [Bürger im Zorn. DAS INTERVIEW: Friedrich-Wilhelm Biermann und Jürgen Rieder gründen eine Bürgerinitiative. - In: Lippische Landeszeitung vom 11.02.2009, S. 15]
Aus einem Eintrag auf der Online-Enzyklopädie Wikipedia geht hervor, dass ihm und den anderen Reichsministern einerseits 1937 das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP verliehen wurde, er aber andererseits wohl nie Mitglied der NSDAP gewesen sein soll. [http://de.wikipedia.org/wiki/Hjalmar_Schacht, gefunden 15.02.2009] Dass er aber nicht nur ein selbstherrlicher, sondern auch ein besonders williger Helfer der nationalsozialistischen Machthaber war - und auf gar keinen Fall ein "Mitläufer" oder gar "Widerstandskämpfer" - geht aus folgender Bildunterschrift im "Spiegel" hervor:

Einspruch von Hermann Göring: "Hört doch, wie er lügt."

"In Nürnberg angeklagt: Schacht im November 1945 bei den Nürnberger Prozessen mit dem Mitangeklagten Franz von Papen, dem letzten Reichskanzler der Weimarer Republik. Schacht notierte am Rand der Anklageschrift: "Ich verstehe überhaupt nicht, warum ich angeklagt bin". Im Prozess versuchte er, sich zum Gegner der Nazis zu stilisieren - sehr zum Ärger Görings, der dazwischenrief: "Hört doch, wie er lügt." Chefankläger Robert Jackson verlas genüsslich Schachts frühe Lobhudeleien auf Hitler. Schacht und von Papen wurden 1946 freigesprochen."

Als Hauptangeklagter der Nürnberger Prozesse wurde er zwar 1946 von den Alliierten freigesprochen. Weil er aber als ehemaliger Reichsbankpräsident und Reichwirtschaftsminister zu den Führungspersönlichkeiten des „Dritten Reiches“ gehörte, wurde er wenige Tage nach seinem Freispruch auf Weisung der Landesregierung von Württemberg-Baden verhaftet. 1947 wurde er zunächst als "Hauptschuldiger" zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, 1948 jedoch als "Entlasteter" freigespochen. [http://de.wikipedia.org/wiki/Hjalmar_Schacht, gefunden 15.02.2009]




Creative Commons License


Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.

Salzekurier Über Salzekurier | Privacy Policy | Kontakt | ©2009 Salzekurier