Berichte / Antifaschismus


Anwohner-Initiative in Detmold

Maria-von Maltzan-Weg
statt Agnes-Miegel-Weg

Karlheinz Seiler 5.2.2009

Rat soll Straße umbenennen



Engagierte Anwohnerinnen und Anwohner benannten Ende Januar in einer vorläufig symbolischen Aktion den nach der nationalsozialistisch gesinnten Dichterin Agnes Miegel bezeichneten Agnes-Miegel-Weg in Detmold in Maria-von-Maltzan-Weg um. Die Straßenschilder wurden überklebt und Flugblätter an die anderen Anwohnerinnen und Anwohner verteilt. Darin wird die Idee hinter der Aktion erläutert. Sie hoffen durch diese Umbenennung eine öffentliche Diskussion zum Thema anstoßen zu können sowie die tatsächliche Umbenennung des Weges zu erreichen.

Wer war Maria von Maltzan?
Die Biologin und Tierärztin wurde leistete aktiv Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Bereits Anfang der 30er Jahre hatte sie Kontakt zu Widerstandsgruppen und schmuggelte illegales Informationsmaterial über Adolf Hitler nach Innsbruck. Nach den Pogromen vom 9. auf den 10. November 1938 machte sie beim Roten Kreuz eine Ausbildung als Vorhelferin. Sie unterhielt weiterhin Kontakt zu Widerstandsgruppen und nahm 1937 erstmals einen aus dem KZ entlassenen Mann auf.

Ab 1942 versteckte sie ihren Freund, den jüdischen Literaten Hans Hirschel, und zwei weitere Juden unter Lebensgefahr in ihrer Wohnung in Berlin-Wilmersdorf. In Zusammenarbeitet mit der Schwedischen Kirche in Berlin verhalf Maria von Maltzan von Nazis Verfolgten zur Flucht, besorgte falsche Pässe und führte die Flüchtenden durch die Kanalisation von Berlin in die Freiheit.
Auf dem Höhepunkt ihrer Widerstandstätigkeit brachte sie Fluchtwillige schwimmend vom Untersee in die Schweiz. Noch während der letzten Kriegsmonate half Maltzan Flüchtlingen sowie Deserteuren und organisierte eine private Suppenküche für Zwangsarbeiter auf dem Hinterhof ihres Wilmersdorfer Wohnhauses.

Nach Kriegsende arbeitete Maria von Maltzan als Tierärztin. Zuletzt ließ sie sich mit einer eigenen Praxis in Berlin-Kreuzberg nieder. Dort setzte sie sich auch für die gesellschaftlich Ausgegrenzten und MigrantInnen in ihrem Viertel ein.

1997 starb sie im Alter von 88 Jahren. 1999 wurde eine Gedenktafel auf dem Gehweg vor dem Wohnhaus Detmolder Straße 11 in Berlin-Wilmersdorf eingeweiht.

Lieselotte Schreiner aus der Initiative der engagierten Anwohnerinnen und Anwohner meint: "Wir wünschen uns, dass unser Anliegen bald durch Mitglieder des Rates der Stadt Detmold aufgenommen wird und aus der vorläufigen symbolischen Umbenennung eine endgültige Umbenennung des Weges wird."

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