Berichte / Städtischer Wohnungsverkauf


Schäden werden nicht repariert

Will Schweizer Investmentgesellschaft
ihre Profitinteressen durchsetzen?

Ab - 18.11.2008

Die Mieter in der Pohlmannstraße wehren sich



Unter dem Titel "Die Mieter hat es kalt erwischt" berichtete die Lippische Landeszeitung am 1.November über Beschwerden von Bewohnern der Häuser in der unteren Pohlmannstraße. Die Verwaltung dieses Wohngebiets hatte seit dem Februar die "Treureal property management GmbH" übernommen und seitdem kümmere sich niemand mehr um die auftretenden Schäden, so die Bewohner. Wasser im Keller, feuchte Wände, kaputte Fenster oder ein Defekt in der Heizung, die Gesellschaft sei telephonisch nicht zu erreichen. Falls man doch mal zu einem Mitarbeiter durchdringe, werde man vertröstet, passieren würde aber nichts.
Stattdessen aber habe der Eigentümer, die Züricher Investment-Gesellschaft Corestate Capital, die Miete kräftig erhöht.

Nun ist die Treureal keine kleine Firma, bundesweit betreut sie nach eigenen Angaben mit 600 Mitarbeitern rund 50.000 Mieteinheiten und 4 Millionen Quadratmeter Gewerbefläche. Filialen hat sie in 25 Städten, der Hauptsitz ist in Mannheim.

Die Vorgänge in Bad Salzuflen scheinen kein Einzelfall zu sein: Die Westdeutsche Zeitung - online veröffentlichte am 1.Oktober 2008 einen ähnlichen Fall im Düsseldorfer Stadtteil Vohwinkel.
Die Mieter zweier Mehrfamilienhäuser beschwerten sich über Ausfälle in der Wasserversorgung und Schimmel in der Wohnung. Die Pflege der Außenanlagen sei eingestellt und zeitweise sei sogar die Versorgung des Kabelfernsehens gekappt worden. Die Häuser waren ursprünglich im sozialen Wohnungsbau entstanden, befinden sich heute aber im Besitz einer ausländischen Investitionsgesellschaft. Die verwaltende Gesellschaft Treureal entschuldigte ihre Untätigkeit damit, dass sie "Reparatur- und Wartungsarbeiten nur mit direkter Freigabe des Eigentümers" leisten dürfe.
Die Investitionsgesellschaft hat wohl andere Interessen als preiswerten Wohnraum zu erhalten.

Am 24.September 2007 berichtete die Internetzeitung "Readersedition" unter dem Titel "Tolldreistes aus einem Wilhlemshavener 'Schimmel Haus'", dass die Treureal auch hier die Beseitigung des Schimmels nicht vornehme. Die "Internette Zeitung vom Jadebusen" griff das Thema am 8.November 2008 erneut auf, so sollen die Verwalter später auf Mängelhinweise nicht reagiert und einen weiteren Wasserschaden ignoriert haben.

Die Parallelen zu Bad Salzuflen liegen auf der Hand:

Im Juni 2007 wurden vom Bad Salzufler Stadtrat die 271 städtischen Wohnungen an die Corestate Capital verkauft, unter ihnen die in der unteren Pohlmannstraße. Die Entscheidung fiel in einer nicht öffentlichen Ratssitzung. Die CDU, FDP und FWG brüsteten sich später damit, dass der Verkauf an die Investmentgesellschaft einen um 1,5 Millionen höheren Gewinn gebracht habe als eine Veräußerung an die Lemgoer Wohnbau, die auch ein Angebot abgegeben hatte. Der Wohnbau gehören die Häuser an der oberen Pohlmannstraße. Die Gesellschaft ist genossenwirtschaftlich organisiert, ihre Häuser sind allesamt saniert und modernisiert worden.

Die Umstände des damaligen Verkaufs an die Corestate Capital sind skandalös. Auf eine Anfrage an den Rat von Harald Nickels (DIE LINKE) musste Bürgermeister Honsdorf die Einzelheiten des Verkauf offen legen:

- Jedem Ratsmitglied war klar, dass die Corestate Capital in kurzer Zeit aus dem Kauf der Wohnungen hohe Profite erzielen wollte.

- Im Vertrag wurde es der Corestate erlaubt, einige Wohnungen sofort weiter zu verkaufen. Solche Objekte werden vorher luxussaniert und dann mit hohem Profit veräußert.

- Nach 8 Jahren - mittlerweile nur noch 7 - können die anderen Wohnungen weiter verkauft werden.

- In einer sogenannten Sozialcharta war die Gründung eines Mieterbeirates festgelegt worden, in dem die Mieter ihre Interessen gegenüber dem Vermieter vertreten sollten.
Ein solcher Beirat wurde nie gegründet, die Stadt sah auch keine Veranlassung, sich einzuschalten.

Harald Nickel stellte damals die Frage, ob der Verkauf der Wohnungen an die "Schweizer Heuschrecke" überhaupt rechtmäßig gewesen war, weil er gegen die guten Sitten verstoßen hätte. (-> Zum damaligen Bericht des Salzekurier).

Die Veröffentlichung der Missstände tat der Treureal Gesellschaft aber offensichtlich weh: Am 14.November wurde die Mieter der Pohlmannstraße in das Kurhaus eingeladen, wo eine Beseitigung der Mängel in den Häusern angekündigt wurde. Außerdem soll alle 14 Tage ein Verwalter aus Hannover anreisen und direkt ansprechbar sein.

Ob sich die Lage der Mieter bessert, bleibt abzuwarten.

Die Corestate Capital Gesellschaft brüstet sich auf ihrer Webseite damit, bei solchen Häusergeschäften ihren Investoren in kurzer Zeit "eindeutig zweistellige Rendite" auszuschütten!

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