Berichte / Wirtschaft - Schule

Donnerstag, 30. Oktober 2008
19.30 Uhr Stadthalle Detmold

Wer zahlt, gewinnt!
Bertelsmann und die Kommerzialisierung der Bildung

Hans Hartings - 25.10.2008

Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Steffen Roski (attac, BdWi)



Die Verbildung der Zukunft

Früher beginnend soll in kürzerer Zeit den Kindern und Jugendlichen ein Wust von Allerweltskompetenzen vermittelt werden. Sie sind so gestrickt, dass sie kleinschrittig gemessen werden können. So ist vergleichbar, wie weit sie erreicht wurden: vom einzelnen Schüler über Schulen, Bundesländern bis hin zu Staaten. Inhaltlich orientieren sie sich an dem, was "die Wirtschaft" später einmal zu brauchen glaubt. Da aber über die zukünftig für sie relevanten inhaltlichen Kompetenzen wenig zu sagen ist, setzt man auf "Methodenlernen". Das wird mit dem Zauberwort "Life-long-Learning" verbunden, in einem Tone, als handele es sich um eine Menschheitsbeglückung, und nicht um die brutale Tatsache, dass die Verfallszeiten für berufliche Qualifikationen unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus sich rasend schnell verkürzen.

Keine kritischen Flausen mehr im Kopf

Jegliche Ansätze zum kritischen Denken sollen unterbunden werden. Die Kinder sollen ihre Schule "lieben" und sich damit identifizieren, wie sie es später auch mit der Firma tun sollen. Dazu wird von den Schulen und den Schüler- und Elternvertretungen allerlei Brimborium veranstaltet. Vom Kugelschreiber mit aufgedrucktem Schulnamen über die beliebte "einheitliche Schulkleidung" bis hin zum Fahnenappell in Schuluniform ist wieder alles im Angebot: Einübung in die Volksgemeinschaft pur.
"Du bist Deutschland!" war eine Kampagne der Bertelsmann-Stiftung, die das Ziel der Identität von Staat und Volk offen zum Ausdruck brachte.
Die Kosten dieser bescheidenen Bildung sollen in immer stärkerem Maße vom einzelnen Bürger übernommen werden. Der soll sich bzw. seine Nachkommenschaft als "Humankapital" verstehen und sich als kluger "Unternehmer" vorkommen, der durch "Investitionen in die Zukunft" den späteren Wert seiner Kinder am Arbeitsmarkt erhöht. Dazu gehört auch, dass der Körper "gesund" gehalten wird. Alle Menschen sollen wie Unternehmer denken - aber nur, damit die echten mit ihnen mehr Profit machen können.

Bildung für die "Elite" ist der "Markt der Zukunft"

Hier hat man einen schönen Hebel, einerseits den Staat aufzufordern, "kein Kind zurückzulassen" und viel Mühe darauf zu verwenden, "Begabungsreserven" zu erschließen, andererseits die Reproduktion der Gesellschaft entlang den Einkommensgrenzen zu garantieren. Das sichert das Einverständnis der bestehenden "Bildungselite". Sie weiß, dass der Ausbildungsvorsprung ihrer Brut sie zukünftig viel mehr kosten wird, aber das kommt im Laufe eines Menschenlebens locker wieder herein. Ein riesiger profitabler Markt für private Bildungsangebote für die zahlungskräftige Kundschaft wird erschlossen, von der Lernhilfe in Buchform über Nachhilfezentren, Zertifikate und Online-Kurse bis zu Privatschulen und -universitäten.

Diejenigen öffentlichen Schulen, die bei den häufigen Überprüfungen zu schlecht abschneiden, werden privaten Investoren zum Verkauf angeboten: So läuft es in Großbritannien, das von den Bertelsmännern oft als Modell für Deutschland angepriesen wird. Die früheren Schüler und Lehrer werden auf andere Schulen verteilt, während ihre "alte Schule" in eine private "Akademie" umgewandelt wird, oft in der Trägerschaft fundamentalistischer christlicher oder muslimischer Gemeinschaften.

Steffen Roski hat sich seit längerem intensiv mit der Bertelsmann-Stiftung (BS) beschäftigt. In seinem Vortrag geht es vor allem um die Aktivitäten der BS und des zugehörigen Gütersloher Konzerns im Bildungsbereich. Die anderen Aktionsfelder werden kurz vorgestellt.

Veranstalter: Georg-Weerth-Gesellschaft e. V., Detmold
Postfach 1424, 32704 Detmold
www.georg-weerth.info
e-Mail: vorstand@georg-weerth.info

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