Berichte / Neonazismus

Ignoranz gegen Rechtsradikalismus

Nazi-Schmierereien an Bad Salzufler Schulzentren

T2 - 09.09.2008

Die Parolen werden nicht entfernt

Am 17.August wurden am Bad Salzufler Schulzentrum Lohfeld von Neonazis Parolen an die Betonwände im oberen Spielbereich gesprüht.
An den Sprüchen selber ist die Absicht der Urheber gar nicht ohne weiteres zu erkennen. Die neue Strategie der Faschisten besteht nämlich darin, ihre rechtsradikalen Ansichten hinter scheinbar linken oder pazifistischen Forderungen zu verbergen. So skandieren sie zum Beispiel: "Nie wieder Krieg" und fügen hinzu: "Nach unserem Sieg". Am Lohfeld heißt es: "frei - sozial - national", "nationaler Sozialismus jetzt" oder "Fuck the USA - gegen Krieg und Kapitalismus - nationaler Widerstand". Die Verfasser outen sich als "fk-lippe.com". "fk" ist die Abkürzung für "Freie Kameradschaft".

Wenige Tage später prangten ähnliche Sprüche massiv an der Bushaltestelle und im Bereich der Pausenhalle im Schulzentrums Werl-Aspe. Hier zeichnet die "fk-guetersloh" verantwortlich. Auf ihrer Webseite prahlen sie mit dieser Aktion und zeigen ein Video, das sie während des Sprühens aufgenommen haben.

Nun werden eigentlich nahezu alle Schulen in Lippe von diesen Rechtsradikalen aufgesucht, trotzdem ist Bad Salzuflen ein Sonderfall: Während in den meisten anderen Städten die Schmierereien in kurzen Zeit übergestrichen werden, scheinen sich in der Kurstadt bestimmte Personen nicht verantwortlich zu fühlen. Die Schmierereien im Innenbereich des Schulzentrums Werl-Aspe wurden zwar nach einigen Tagen vom Hausmeister beseitigt, die an der Bushaltestelle befinden sich aber immer noch dort. Verantwortlich ist hier die Stadt, die längst informiert wurde.
Auch am Lohfeld scheint sich niemand um die Nazi-Spüche zu kümmern. Hier wurden die vorletzten Parolen erst nach Wochen vor dem Elternsprechtag übergetüncht! Und das obwohl sich in einem Schulzentrum drei Schulen samt Schulleitungen befinden!

"Wie gehen wir zum Beispiel ganz konkret damit um, wenn die Gräueltaten des Nationalsozialismus relativiert werden? Hierauf kann es nur eine Antwort geben: Jedem Versuch dazu muss im Ansatz entgegengetreten werden. Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen in Deutschland und Europa nie wieder Fuß fassen."
Diese Worte stammen aus einer Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sie am 18.März 2008 vor der Knesset in Israel gehalten hat.

Im Juni unterschrieben 500 Einwohner Ehrsens eine Unterschriftsliste, in der gefordert wurde, dass das Gasthaus "König" nicht von dem türkisch-islamischen Kulturverein in Schötmar gekauft werden dürfe. Der Verein wollte den Gasthof als Betraum nutzen, da das ehemalige Teka-Gebäude in der Krummen Weide baufällig geworden ist.
Es gab keinen Aufschrei von Politikern oder Kirchenvertretern. Im Gegenteil: Man wiegelte ab. Selbst der Integrationsbeauftragte fand Verständnis für die Kampagne.

Das Ignorieren der Nazi-Sprüche an den Schulzentren rundet das Bild ab.

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