Berichte / Neonazismus

Aufstand der Anständigen?

Neonazi-Umtriebe in Bad Salzufler Gegend

AB - 17.08.2008

Kaum Reaktionen

Als Reaktion auf den Brandanschlag auf die jüdische Synagoge in Düsseldorf rief der damalige Bundeskanzler Schröder im Jahr 2004 zu einem "Aufstand der Anständigen" auf. "Es geht um sehr, sehr viel, was das Ansehen unseres Landes im Ausland angeht", so sein Originalton.

Von einem solchen "Aufstand" ist in Bad Salzuflen wenig zu spüren, im Gegenteil: Im Februar deckte die Detmolder Kulturinitiative auf, dass es in Bad Salzuflen eine neonazistische Gruppe "Terrorcrew" gibt, die ihre faschistische und menschenverachtende Gesinnung in einem Video auf dem Internetportal "Youtube" sehr deutlich zum Ausdruck brachte. Einige Szenen waren nach Angaben von Kennern des Lokals in der Bad Salzufler Disco "Alpenmax" aufgenommen worden.

Wer nun erwartet hatte, dass sich die Betreiber des Alpenmax öffentlich von diesen Vorgängen distanzierten, sah sich getäuscht. Aber auch der "Salzufler Ratschlag gegen Fremdenfeindlichkeit" oder der Bürgermeister sahen keinen Anlass, die Alpenmax-Besitzer dazu aufzufordern. Nach dem Motto "Das ist Sache der Polizei", lehnte man sich zurück. Merkwürdig ist allerdings, dass der Staatsschutz in Bielefeld untätig blieb.

Eine Fortsetzung dieser Ermutigung für die Rechtsextremisten fand am 12.Juli in Leopoldshöhe statt. In der ehemaligen Tennishalle im Grester Industriegebiet feierten 100 bis 150 Neonazis mit der Band "Bitchbangern" ein Abschiedsfest für Marcus Winter, der zwei Tage später eine neunmonatige Haftstrafe wegen Volksverhetzung in Bückeburg antrat. Ursprünglich sollte die Fete in Rahden stattfinden, aber dort lud der Wirt des Lokals die Nazis wieder aus, als er erfuhr, mir wem er es zu tun hatte.
Damit hatte der Betreiber der ehemaligen Leopoldshöher Tennishalle nach Angaben des Mindener Tageblatts keine Probleme. Obwohl an ihn appelliert worden war, die Veranstaltung abzubrechen, konnten die Neonazis ungestört weiterfeiern.

Das Fest war Marcus Winter gewidmet, einem führenden Kopf der Neonazi-Gruppe "Nationale Offensive Schaumburg". Auf der Internetseite der Gruppe wurden Überlebende des Holocaust als "Volksschädlinge" bezeichnet. Unter der Überschrift: "Holocaust-Überlebende fordern NPD-Verbot - Wann endlich verbietet man Holocaust-Überlebende?" gipfelte der Artikel in der Forderung "Schmeißt die Bande endlich raus".
Die jetzige Verurteilung wegen Volksverhetzung führt zu Winters dritter Inhaftierung, er hat eine Reihe weiterer Vorstrafen, u.a. wegen Entführung und Misshandlung eines jungen Antifaschisten.

Wie man den Nazis "anständig" entgegentreten kann, machte am Wochenende ein Bauer in Lichterau-Iggenhausen in der Nähe von Grundsteinheim klar. Als er erfuhr, wer auf seinem Grundstück ein Live-Musikkonzert veranstalten wollte, sagte er den Veranstaltern ab und verteilte Gülle auf dem Feld.

Verhindert wurde die Nazi-Veranstaltung allerdings nicht, ein Bauer in Tietelsen bei Beverungen stellte am 15.August ein Gebäude zur Verfügung.

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