Berichte / Soziales


Portrait eines Bad Salzuflers

Josef Schmitz – arbeitslos

08.05.2008

Interview mit dem Salzekurier

Salzekurier: Josef, stell dich einmal kurz vor.
Meine Name ist Josef Schmitz, 58 Jahre alt. Seit 2005 bin ich Hartz-4 Empfänger.

Salzekurier: Welchen Beruf hattest du?
Vom Beruf bin ich Bergmann. Ich war 18 Monate bei der Bundeswehr. In den 70ern habe ich als Probenvorbereiter im Stahlwerk Thyssen in Oberhausen gearbeitet. In Bad Salzuflen bin ich seit 1981.
Ich habe hier meine Mutter mehrere Jahre gepflegt. Sie ist jetzt in einem Altersheim, wo ich sie jeden Tag besuche.

Salzekurier: Wo hast du in Bad Salzuflen gearbeitet?
Anfang der 80er Jahre war ich bei Hoffmann´s Stärke beschäftigt. Mit denen ging es dann bergab. Später war ich bei einer Reihe anderer Firmen, immer nur kurzfristig. Vom Arbeitsamt wurden mir mehrere Male eine Praktikantenstelle vermittelt.

Salzekurier: Welche Erfahrungen hast du mit dem Arbeitsamt gemacht?
Keine guten. Ich bin dort sehr herablassend behandelt worden, so als wäre ich kein vollwertiger Mensch.

Salzekurier: Hast du schon einmal einen 1-Euro-Job gehabt?
Noch nie, obwohl ich schon mehrfach danach gefragt habe. Ich finde es schon schlimm, für einen Euro zu arbeiten, aber dann bleibt man wenigstens drin in der Arbeit. Außerdem könnte ich das Geld gut gebrauchen. Ich fühle mich diskriminiert.

Salzekurier: Hast du schon einmal mit der Auszahlung des Geldes Schwierigkeiten gehabt?
Das Geld ist mir schon mehrfach gekürzt oder sogar gesperrt worden, aus den verschiedensten Gründen. Ich habe dann immer Widerspruch eingelegt. Gekriegt habe ich es dann, war aber immer Theater.
Jetzt ist mir gekürzt worden, weil ich umziehen soll. Seitdem meine Mutter im Altenheim ist, ist die Wohnung zu groß. Ich finde aber hier keine andere. Ich bin jetzt zu einem Rechtsanwalt gegangen.

Salzekurier: Was hältst du insgesamt von Hartz-4?
Ich finde, Hartz-4 muss abgeschafft werden. Hartz-4 heißt Armut per Gesetz. Von dem Geld kann man nicht menschenwürdig leben. Ich kann arbeiten und möchte arbeiten!

Salzekurier: Was schlägst du vor?
Unmittelbar müsste die Stadt einen Arbeitslosenpass beschließen, mit dem man auch die öffentlichen Verkehrsmittel umsonst oder ganz billig benutzen kann. Dann sollten die Kontogebühren bei der Sparkasse entfallen. Für Hartz-4 Empfänger sollte ein extra Tarif bei Strom, Gas und Wasser gelten. Die Wucherpreise kann doch kein Arbeitsloser mehr bezahlen!
Außerdem müssen die Hartz-4 Sätze angepasst werden! Die Lebensmittel werden immer teurer! Jedem steht eine menschenwürdige Wohnung zu, auch den Arbeitslosen!
Der Staat muss Weiterbildung fördern und dann Arbeitsplätze schaffen. Das Geld dafür kann er bei den Reichen holen! Ackermann von der Deutschen Bank verdient 14 Millionen Euro im Jahr. Ich hab das mal ausgerechnet: Das sind 38000 Euro am Tag und 1600 Euro in der Stunde.
Der könnte 13 Millionen Steuern bezahlen, dann hätte der immer noch mehr als genug!

Salzekurier: Josef, wir danken dir für das Gespräch. Wir wünschen dir viel Erfolg!

Hartz-IV-Urteil „Wohnungsgröße“

Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts in Kassel ist die Faustformel „45 m² für die erste und 15 m² für jede weiter Person“ unzulässig. Laut Urteil müssen die Wohnungsangebote am jeweiligen Wohnort berücksichtigt werden. Gibt es nur relativ große Wohnungen auf dem Mietmarkt, so wie in den neuen Bundesländern, dann muß die ARGE auch die etwas höhere Miete übernehmen.
(BSG Kassel, Az.: B VIIb as 18/06)


Hartz-IV-Urteil „Umzug“

Kann ein Hartz-IV-Empfänger aus stichhaltigen Gründen einen von der ARGE gewünschten Umzug in eine kleine Wohnung nicht selbst organisieren, muss die Arbeitsargentur ein Umzugsunternehmen beauftragen und bezahlen. Bei einem Umzug haben ALG-II-Empfänger außerdem grundsätzlich Anspruch auf die Renovierungsarbeiten in der alten Wohnung. Die Kosten müssen jedoch angemessen sein und vorher vertraglich vereinbart werden.
(LSG Celle, AZ: L 9 AS 409/06 ER)
aus: SHG Soziale Lebenshilfe-> Weitere Informationen

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