Berichte / Kriegsverbrecher

1946 als Kriegsverbrecher verurteilt

Generaloberst Kurt Student

H.T. - 12.02.2008

In Bad Salzuflen begraben



Die meisten Bad Salzufler werden ihn nicht kennen. Einige aber doch, wie folgende Zeitungsmeldung beweist:

"Bad Salzuflen-Schötmar. Die Mitglieder der Fallschirmjägerkameradschaft Generaloberst Student treffen sich am Dienstag, 7. Februar, im Schützenhaus, Eduard-Wolff-Straße. Beginn der Zusammenkunft ist um 15.30 Uhr." (Lippische Landes-Zeitung, 04.02.2006)

Wer war Generaloberst Kurt Student?

In Birkholz 1890 geboren begann seine militärische Laufbahn mit elf Jahren, als er in eine Militärschule eintrat. Als Jagdpilot machte er sich im ersten Weltkrieg "verdient", als er sechs gegnerische Flugzeuge abschoss. Zum Generalleutnant befördert nahm er 1940 am faschistischen Überfall auf Belgien und Holland teil. Nachdem die Wehrmacht 1941 das griechische Festland besetzt hatte, organisierte der inzwischen zum General beförderte Student die Luftlandung auf der strategisch wichtigen Insel Kreta ("Operation Merkur"). Die Wehrmacht traf dort auf den erbitterten Widerstand von britischen und griechischen Truppen, der aber von Tausenden von Kretern unterstützt wurde. Auch von "Frauen und Jugendlichen" , wie Student später in seinen Memoiren feststellte. Vor allem wegen dieses Kampfes der griechischen Partisanen erlitt die faschistische Wehrmacht bei der Invasion enorm hohe Verluste. Vom Oberkommando der Wehrmacht wurde daraufhin die Meldung verbreitet, dass deutsche gefangene Soldaten angeblich misshandelt worden seien. Daraufhin erließ Student am 31.Mai 1941 folgenden Befehl über Vergeltungsmaßnahmen:

"Es kommt darauf an, alle Maßnahmen mit größter Beschleunigung durchzuführen, unter Beiseitelassung aller Formalien und unter bewusster Ausschaltung von besonderen Gerichten. Bei der ganzen Sachlage ist dies Sache der Truppe und nicht der Gerichte. Sie kommen für Bestien und Mörder nicht in Frage."

Dieser Erlass sucht in der deutschen Militärgeschichte bis dahin seines gleichen.

Als Folge dieses Befehls wurde bis Ende August 1941 Duzende Ortschaften zerstört und Hunderte Kreter umgebracht, einige Quellen sprechen sogar von 2000 Ermordeten. Symbole dieser Gräueltaten sind die Orte Kondomari, wo 1941 die meisten männlichen Bewohner von der deutschen Wehrmacht erschossen wurden, und Kandanos, das vollständig zerstört wurde. Bis Kriegsende erhöhte sich die Zahl der Ermordeten auf etwa 10000, da Students Nachfolger General Bruno Bräuer als Kommandant Kretas diese Verbrechen unerbittlich fortsetzte. Unter seinem Befehl wurde 1944 die jüdische Bevölkerung der Stadt Chania zusammengetrieben und in die Gaskammern nach Auschwitz verbracht.

Bruno Bräuer wurde 1947 wegen dieser Kriegsverbrechen von einem britischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet, Kurt Student bekam fünf Jahre Gefängnis, von denen er aber nur zwei Jahre absitzen musste.

Er starb 1978 in Lemgo und wurde auf dem Obernbergfriedhof in Bad Salzuflen begraben.

Kurt Student wird bis heute nicht nur von der Traditionsverbänden der Fallschirmjäger verehrt, der 20.Mai wurde in vielen Bundeswehrkasernen als "Kreta-Tag" gefeiert. Auf Antrag der SPD konstituierte sich 1998 ein Bundestagsuntersuchungsausschuss zu rechtsextremistischen Vorfällen in der Bundeswehr, der diese Feiern auch zum Gegenstand hatte.

Ein von den deutschen Okkupationstruppen 1941 errichtetes Fallschirmjägerdenkmal in Chania auf Kreta wird jedes Jahr am 20.Mai zu einer Art Wallfahrtsort der ehemaligen Fallschirmjäger. Das Denkmal besteht aus einem "stürzenden Adler", der ein Hakenkreuz in den Klauen hielt. Höhepunkt dieser Veranstaltungen ist das gemeinsame Singen des "Fallschirmjägerliedes "Rot ist die Sonne". Hier ein Auszug:

"Klein unser Häuflein, wild unser Blut. Wir fürchten den Feind nicht und auch nicht den Tod. Wir wissen nur eines, wenn Deutschland in Not: zu kämpfen, zu siegen, zu sterben den Tod. An die Gewehre, an die Gewehre."

Als 2001 der Pachtvertrag für das Gelänge auslief, machten die griechischen Behörden klar, dass sie das Denkmal nicht weiter dulden wollten. Seitdem versucht der "Freundeskreis zur Erhaltung eines Fallschirmjägerehrenmals auf Kreta" das mittlerweile verfallende Denkmal zu retten, bisher ohne Erfolg.

Der Präfekt der Provinz Chania bezeichnete 2004 die Unterstützer des Denkmals als rechtsradikal und kündigte Maßnahmen an. Im Jahr 2005 verhinderten dann aufgebrachte Griechen die Durchführung der Gedenkveranstaltung.


Quellen:
Martin Seckendorf: "Verbrecherische Befehle" in "junge Welt" 20.05.06
Jacob Knab: "Zeitlose soldatische Tugenden" in "Die Zeit" 10.11.2005
wikipedia: "Kurt Student"
www.Mykreta.de: "Kreta im 20.Jahrhundert"
www.hiergeblieben.de: ""Fallschirmkameradschaft Generaloberst Student" in Bad Salzuflen
Carsten Hübner: "Die Traditionspflege geht weiter" in "antifaschistische Nachrichten" 04/2002
Paul Schäfer: "Bundeswehr und Rechtsextremismus" in "Wissenschaft und Frieden" 02/1998
www.fallschirmjaeger-denkmal.de: "Aktuelles"


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