Berichte / Bad Salzuflens "Vergangenheitsbewältigung"

Heiner Hausdorf schlägt Namen von Salzufler Verfolgten vor

Die Otto-Künne-Promenade muss umbenannt werden!

AB - 26.01.2008

Vorschlag: August-Dingersen- oder Siegfried-und-Amalia-Obermeyer-Straße

Seinen Antrag an den Bürgermeister begründet Heiner Hausdorf mit Recherchen des Stadtarchivars Franz Meyer, die dieser Ende 2007 in seinem Buch "Bad Salzuflen -Epochen der Stadtgeschichte" veröffentlichte. Meyer deckt auf, dass Otto Künne ein "willfähriger und engagierter Diener des NS-Staates" war, unter dem die Hoffmann's Stärkefabriken zu einem "Musterbetrieb der Deutschen Arbeitsfront" wurden. Liest man die von ihm verfassten Reden und Artikel in der Werkszeitung der Fabriken, dann wird deutlich, dass er ohne Abstriche die Ideologie des faschistischen Verbrechersystems vertrat und sich für sie einsetzte.

Die Otto-Künne-Promenade wurde noch zu seinen Lebzeiten 1954 auf Vorschlag des damaligen CDU-Bürgermeisters Bünemann nach ihm benannt. Schwer zu glauben, dass die damaligen Mitglieder des Stadtrates über Künnes Vergangenheit nicht informiert waren.

Die Bad Salzufler Presse berichtete sehr ausführlich über diesen ersten Teil des Antrages von Heiner Hausdorf, der Tenor war: Die Straße soll wieder in Salzepromenade umbenannt werden. Der zweite Teil des Antrages soll offensichtlich verschwiegen werden: Hier werden nämlich neue Namen vorgeschlagen: August-Dingersen-Straße oder Siegfried-und-Amalia-Obermeyer-Straße.

August Dingersen war ein Wüstener Kommunist, der sich 1933 weigerte, mit dem Hitlergruß zu grüßen, worauf er in Schutzhaft genommen wurde. Im Jahre 1934 wurde er wegen illegaler Flugblattverteilung zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er wurde in das KZ Börgermoor verschleppt.

Siegried und Amalia Obermeyer waren jüdische Bad Salzufler Geschäftsleute, die 1940 nach der Flucht aus Bad Salzuflen von den Nationalsozialisten in Luxemburg aufgespürt und in das Lodzsche Ghetto verschleppt wurde. Den Lageraufenthalt überlebten beide nicht.

Wie Bad Salzuflen seine Vergangenheit verarbeitet, wird bei den Obermeyers exemplarisch deutlich: Vor ihrer Flucht 1940 verkauften sie ihr Haus an die Stadt, die die Notlage der Obermeyers ausnutzte und einen viel zu geringen Preis zahlte. Außerdem wurde das Geld auf ein Sperrkonto eingezahlt, so die Obermeyers nicht darüber verfügen konnte. Heute befindet sich hier das Stadt- und Bädermuseum. Es wurde keine Erinnerungstafel für die Obermeyers aufgestellt! Stattdessen steht vor dem Museum die Hoffmann'ssche Katze -das Symbol eines Unternehmens, dessen Führer den Faschismus mit trugen.


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