Berichte / Schulen


Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben

Auf dem Weg zu Unternehmerschulen?

T2 - 06.01.2008

Vom Kapital in Deutschland massiv vorangetrieben

Man stelle sich vor, die Bundesregierung gründet zusammen mit sämtlichen Spitzenverbänden der Wirtschaft unter Federführung des BDA (Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände) eine Arbeitsgruppe, in die auch noch neben dem Wirtschaft- , Bildung- und Arbeitsministerium die Kultusministerkonferenz, die Bundesanstalt für Arbeit und das unternehmerfreundliche Institut der deutschen Wirtschaft (Köln) einbezogen werden, dann muss es sich für das Kapital um ein wichtiges Thema handeln. Das Thema lautet: „Schule und Wirtschaft“, gegründet wurde die Arbeitsgruppe im Februar 2005.

Vordergründig geht es darum, dass die Schulen mehr Berufs- und Arbeitsorientierung in den Unterricht aufnehmen sollen. Der Hebel, mit dem dieses durchgesetzt werden soll, ist die Einrichtung von Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben. Mittlerweile gibt es solche Zusammenarbeiten bei den weiterführenden Schulen sehr häufig, in NRW sind es über 40%.

Die restlichen Schulen werden gegenwärtig ultimativ aufgefordert, solche Kooperationen einzugehen. Auch in den Bad Salzufler Schulen dürfte dieses Thema auf der Tagesordnung stehen. Federführend ist hier die Stiftung „partnerfuerschule.nrw“, als deren Schirmherr Ministerpräsident Rüttgers fungiert. Das Stiftungsregister liest sich teilweise wie eine Auflistung aller Computerhersteller: Apple, Cisco, Fujitsu, Siemens, Hewlett Packard, IBM, Intel, Microsoft, Sun , Suse Linux und Texas Instruments. Für diese Unternehmen stellen die Schulen ein Absatzmarkt mit enormer Multiplikationswirkung dar. Aber auch Konzerne wie BP, Thyssen Krupp oder energieNRW sind vertreten.

Den Vorsitz des Kuratoriums der Stiftung hat die NRW-Schulministerin Barbara Sommer, der Vorstandsvorsitzende ist Roland Berger, Chef des gleichnamigen Consulting-Unternehmens. Roland Berger wurde 2006 von dem studentischen Projekt „Uebergebuehr“ zum Ausbeuter des Jahres ernannt, Hintergrund war seine Beratung der Arbeitsagenturen, dass nur noch Arbeitslose zwischen 25 und 40 Jahren mit abgeschlossener Berufsausbildung umfassende Betreuung erhalten sollen.

Interessant ist auch die Liste der Kooperationspartner der Stiftung: An erster Stelle steht dort nämlich der Verfassungsschutz NRW und an zweiter die Zeitung des Kapitals „Handelsblatt“.

Der Verdacht liegt nahe, dass es hier wohl doch um mehr geht als um eine Verbesserung der Berufsorientierung an den Schulen: In dem Handlungsleitfaden der Stiftung werden umfassend nicht nur das gesamte Lehrerkollegium sondern auch die Eltern mit einbezogen. Lehrer sollen auf Betriebspraktika verpflichtet, Schulleiter auf Management-Seminare geschickt werden. Das Unternehmen soll Gelegenheit erhalten, sich in unterschiedlichen Fächern und im fachübergreifendem Unterricht zu präsentieren und auf Lerninhalte Einfluss zu nehmen. Gefordert wird eine „aktive und regelmäßige Präsenz von Experten aus dem Betrieben im Unterricht“. Ziele sind: „Abbau von Vorurteilen“, hin zur „Förderung von Selbständigkeit und Unternehmertum“.

Die Grundgesetzforderung, dass „Eigentum verpflichtet“ und sein Gebrauch „zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“ soll (Art.14.2), dürfte da wohl nicht im Vordergrund stehen.


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